192 | Wenn ich

Wenn ich morgens
in den Spiegel schau
und den Schlaf mit kaltem
Wasser austreibe,
erkenne ich das Gesicht
vor mir nicht.

Ich wende dann schnell den Blick
und sehe mich stumm suchend um,
ob ich mich irgendwo erblicke.
Doch als Du damals gegangen bist,
hast Du mich mitgenommen.

Hier wohnt nur noch die Hülle,
die leer zurückgeblieben ist.
So muß es wohl sein,
denn tagaus und tagein,
finde ich mich nicht ein.

Ich sehe in die fremde Miene
und entdecke mich nicht.
Wenn ich dann am Abend
Zähne putz,
bin ich in tausend
Splitter zerstreut
und meine Seele gurgelt
mit dem Spuckwasser in den Abfluß.

Und ruhe ich dann
auf dem Kissen,
hat die Nacht
keine Träume mehr.
So sind die Tage,
wie die Nächte – leer.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*