16 | Müde

Heute bin ich verkatert und auch darum fühlt sich mein Herz wundgerieben an
als sei’s der Handrücken mit dem ich an den Rauhputzfassaden
eines Strassenzugs gründerzeitlicher, vierstöckiger Mietshäuser entlangschramm’.
Das grobe Schmirgelpapier der Hauswandauflagen droht mir,
ganz so wie auch Du gerade,
aber Du im Ton brutal subtiler, zuckersüßer Moralanklagen.

Das heisse Wasser der Dusche läuft meinen Nacken hinunter.
Ich höre, dass es gurgelnd, schlurpsend und murmelnd im Abfluß verrint.
Der pladdernde Strahl löst die Gefühle aus meinem betonierten Magen.
Bäche spülen leckend von den Augen über das Kinn
in den warmen Strom am Hals und den Schultern darunter.

Ich weiss, jetzt machte mich ein kalter Guss wieder gesunder.
Aber ich möchte die Welt schwarzgrau.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*