122 | Am Bach, 123 | Was Du mir seist, 124 | Mond

Es gurgelt munter ein Bach

am Grunde des Waldes.

Er plätschert lustig

über Felsen glucksend

in seinem Bett hinab.

Eine Forelle springt an 

tieferer Stelle auf
Fliegenfang heraus.

Er spült die Erlenwurzeln aus.

– Quilt murmelnd über 
das Ufer hinaus.

– Zieht an herabhängendem Gras.

– Trägt mit sich ein trockenes Blatt.

Ein Eisvogel jagt 
flink
in seinem blauen,

rostig angehauchten Kleid.

Das sprudelnde Wasser 

ruht sich von seinem schnellen Lauf

im Mühlteich
aus.

Hier wärmt es die Strahlen 
der Sommersonne auf.

123 | Was Du mir seist

Sei mir alles

oder sei mir nichts.

Sei mir Heim, Hof und Herd.

So lang wanderte suchend ich

und war von Kummer schwer.



Sei mir entzückte Lust

oder zornentbrannter Fluch.

Sei mir Tag und Nacht,

Sonne und Wind,

die süßen Sternblüten am Hollerbusch

und das beissende Chili 

im roten Curry.



Oder lass’ mich los,

damit ich mich nie mehr

zu Dir umwenden muß.

124 | Mond

Des bleichen Mondes Scheibe ist umschleiert.

Er steht rund und ruhig da oben 

– ein unbewegter Beweger.

Sein Widerschein erhellt die Zimmer fahl.

Wie oft ist er schon an uns vorbeigezogen?

Durchlief den dunklen Himmel ein ums andere Mal.

Ihn rührt nicht unser Schicksal unten.

Spendet Licht uns durch die Nacht auf unserem Pfad

indem er uns den Spiegel zum Licht der Sonne hält.

So können wir einander auch im Dunkeln finden,

weil er uns den irdischen Schatten lampengleich erhellt.

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