12 | Am ersten Februar

Der Himmel bedeckt in Lichtgrau.
Eine Nebelkrähe fliegt geduckt vom Nachbardach auf.
Überproportionierte Autos brummen tuckernd an der Kreuzung vor dem Haus.
Das Weiss der Fassade gegenüber ist mit schwarzem Staub
und zur Dekoration mit aufgesprayten Trompe-l’œil durchsetzt.
Meine aneinandergelegten Handflächen
sind mit einem dünnen Schweissfilm benetzt.

Erst mittags endete heute mein Schlaf.
Gestern Abend wurden wir abgewiesen
bei einer Veranstaltung der italienischen Botschaft
zum sich jährenden Holocaustgedenktag.
Kurz darauf fanden wir frische Trauerkränze an einer
uns bis dahin unbekannten gläsernen, dunklen, durchscheinenden
mit blankem Stahl gerahmten, frei stehenden Wand als Denkmal.

Zufällig gab es dann gleich in der Nähe im MiM Hard Bop Jazz.
Komplexe und doch mitreißende Musik,
die trotz schändlichem und kriminellem Rassismus,
zum Kulturgut und moderner Klassik geworden ist.
Zwei Tenorsaxophone zogen uns mit quietschend
in die Höhe geschraubtem und auch warmen Klang
ihres Ausdrucks von Widerstand und Trauer
und Abgesang auf bleiche Borniertheit in den Bann.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*