112 | Morgen III

Dem Kaffee nachschmecken.

Morgenkühle von den Schultern schütteln.
Das Frühstück aufdecken.
Das Telefon annehmen.

Von den nackten Füssen her frösteln.

Nach der Morgensonne sehen.
Auf die Spatzen und Meisen lauschen.

Das Rauschen der Blechlawine hinnehmen.



Nervös die Handrücken kratzen.

Pläne für die nächste Zeit anpassen.

Verse in einem Gedicht einfassen.

Musik andrehen.



Minuten beim Vergehen zusehen.

Jobofferten anzeigen lassen.

Nachrichten verstehen.
Auf Dein Foto sehen.

113 | Unwiederbringlich

Wir haben tagelang erwartungslos leer in die Ferne geblickt.

Sind desillusioniert auseinandergerückt.

Haben die Hände nach einander ausgestreckt,

uns voneinander abgestossen und schliesslich versteckt.



Uns bringt kein Tag mehr das Verlorene zurück.

Wir streifen ruhelos umher 

und suchen sehnsüchtig das ungenannte Glück.
Erschöpft schwanken wir voran, von Bitterkeit schwer.

Könnte ich, ich würde Deine Seele einfangen.

– Durch Dein Augentor bis auf ihren Grund gelangen.
– Dich mit Sanftheit und Wärme umfangen.
Doch ich finde Dich längst nicht mehr.

114 | Damals

Als die Tage heil waren und ganz.

Als ich unter dem Schutzmantel Deiner Liebe stand.

Als der Himmel frei war und weit.

Als wir einander küßten und lachten und zum Tanz waren bereit.



Als die Möglichkeiten grenzenlos waren.

Als wir Hindernisse lernten zu umfahren.

Als wir auf schwankenden Stegen

balancierten.



– Waren wir Riesen.

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