112 | Frost

Einzelne letzte gelbe Blätter flattern
an den dunklen Zweigen der Linde
vorm Haus, wie Fähnchen im Winde.
In den Kriegen und der Dürre dieser Welt
entbehrt Mitgefühl
ein junger, hungernder Mensch.

Es zündeln an Flüchtlingsunterkünften
rohe, verblendete Gesellen.
Längst herrscht wieder Sozialdarwinismus
und wer schwach ist
wird bekämpft.

Ja, die Heiterkeit und Nonchalance,
die Selbstvertändlichkeit mit der
die Begüterten nehmen
und ihre Privilegien geniessen,
verdeckt den Schrecken
von Raub, Mord und Denunziation.

Aber das alles wird gefühlig abgefedert
und Sentimentalität bestimmt den Ton.
Man hüllt sich ein in Lichterglanz
und lauscht dem Klang
der Chöre
und weiss doch nicht,
was es zu feiern gäbe.

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