105 | Klage

Trotz Sonnenschein und Amselgesang

kenne ich die Welt nicht mehr.
Ich setze Schritt um Schritt im Moos des Waldes

– das Gehen fällt mir schwer.



Trotz Honigtau im Blütenmeer

ist die Richtung mir verstellt.

Trotz Frühlingsduft in milder Luft

finde ich meinen Weg nicht mehr.

Ich tappe voran

und weiss doch nicht wohin.
Die Rosen sind mir einerlei,
kein Lerchenruf dringt mir in meinen Sinn.



Gelang ich an des Feldes Rain

tröstet mich kein Mohn.

Dort sinke ich durstig in den staubigen Sand

– vom Irren auszuruhn.



Ich wünschte mir einen Wolkenbruch,

doch der ist nicht zu sehen.

Verflucht ist mir die Frühlingsluft,

verbittert bleibe ich stehen.



Was einst mir vertraute Pfade waren

führt nun nach nirgendmehr.

Wo wir zusammen im Grase lagen,

gehe ich allein umher.

106 | Rushhour

Vorm Fenster auf der Strasse – das Getöse rührt mich nicht.

Lagere hier drinnen hinterm Vorhang im Dämmerlicht 

und weiss, später am Tage gibt es sich. Darüber bin ich nicht böse.

Die Eiligen eilen schnell dem Ziele zu, sind ganz erfüllt von ihrem Tun.



Sie lagern nicht dumm in der Gegend rum, sind gebraucht und nützlich.

Der eine schafft sich Hund und Katze an, der andere Familie.

Er jagt von Punkt zu Punkt auf seinem Lebensplan. Ist im Einsatz für ganz viele.

Was fangen wir mit dem Leben an – zwischen Chrom, Lack, Eichenfurnier und Diele?

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