102 | Was Frau Kaléko

Was Frau Kaléko schrieb

berührt mich tief.

Ihr Wort macht mir noch heute Freude.



Auch die Gedichte von Herrn Hesse

lese ich mit Genuß und Interesse.

So überdauern gut gereimte Vers
e
und sind im Leben Hilfe.



Ihr Beispiel ermuntert mich,
so dass auch ich

Gedanken lyrisch fasse

und im Meer aus Worten 

gesalzene Hymnen hinterlasse.

103 | Ich kann nicht

Ich kann nicht sagen,

dass wir so täten,
als wäre nichts geschehen.

Denn zwischen uns ist Schweigen,
seit jenem Einbruch in das dünne Eis.

Was so stabil schien 

hat uns nicht getragen

und alle Güte ist ertrunken.

Wir haben einander

dem anderen entwunden

– der stumpfe Phantomschmerz bleibt.

104 | Die Stiege

In unser altes Haus

führt noch immer 

die hölzerne Stiege hinauf.

Inzwischen ist ihr rosa Linoleum 

etwas liederlich, aber sonst

sieht es ganz, wie damals aus.

Ich hebe hinter der Wohnungstür 

den Staub von früher auf.

Die Schlieren auf den Fensterscheiben

halten die Sonnenstrahlen der Zwischenzeit auf.

Den kleinen, hölzernen Tisch mit den Brandflecken 

stellte ich auf die Strasse hinaus.

So komme ich schneller 
vom Sofa
zur Tür heraus.

Die Wände und die hohen Zimmerdecken 

sind bisher nicht gestrichen.

Ich suche für sie noch 
neue Farben aus.

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