#100JahreFrauenwahlrecht und gemischte Gefühle.

100 Jahre Frauenwahlrecht. Ein Grund zum Feiern. Doch es macht auch nachdenklich, dass das den Faschismus nicht verhindern konnte.

Auf dem Debattencamp konnte ich ein längeres Gespräch mit Rasha Nasr führen, die in Sachsen mit der SPD mit der Küchentischtour unterwegs ist. Eine kluge, junge Frau, die sich engagiert und für Demokratie und politisches Engagement wirbt. Und deren Vorschlag ist, dass die Nachwendezeit und die Probleme, die damit einhergingen und gehen, aufgearbeitet wird. Der Küchentisch ist also beispielhaft für Demokratiepraxis.
Denn liebe Frauen – so geht es nicht: Verdutzt stand ich da, als ich von einer wütenden Passantin beim Verteilen von Infoflyern angefaucht wurde – „Ihr habt noch viel Arbeit“, weil sie unzufrieden mit der Kommunalpolitik im Bezirk Kreuzberg war, in der sie sich nicht vertreten fühlte, in dem aber die SPD seit Jahrzehnten nicht verantwortlich regiert und lediglich die drittstärkste Kraft bildet.

Politik heisst Lebensverhältnisse gestalten wollen. Ab wann hielten wir sie für einen Lieferservice für gutes Leben? Rasha sagte es so: Demokratie ist nicht die Party zu der ich eingeladen bin, sondern die Party, die ich gebe.

Also Frauen, macht Euch auf die Socken und arbeitet Euch nicht an Vorurteilen ab. Mimimi hilft nicht. Ihr habt doch praktischen Verstand. Es geht doch nicht darum zu beweisen, dass Ihr mathematisch und konstruktiv, wie Männer denken könnt. Na klar könnt Ihr das, das sind menschliche Fähigkeiten. Was denkt Ihr, was ein Mensch tut, der Schnitte oder Strickwerk herstellt. Rennt nicht hinterher hinter dem Digitalisierungsgewäsch, das Wort „Programmierer“ wurde für die Frauen erfunden, die das massenhaft in der Frühzeit der Computer gemacht haben. Das hatte damals natürlich eher eine abwertende Konotation. Weint nicht rum, weil Einwände erfunden werden, warum Arbeiten, die Frauen leisten, schlechter bezahlt werden. Es kommt kein Messiahs und kein Erlöser, kein Ritter, der für Euch kämpft und an die Hand nimmt und ins gelobte Land führt. Das müßt Ihr selbst tun – solidarisch. Geht in die Gewerkschaften, mischt Euch ein, macht den Mund auf. Verwaltet Finanzen.
Laßt Euch den Zustand des Bildungssystems und der öffentlichen Daseinsvorsorge nicht gefallen. Es wird immer einen findingen Interessenten geben, der meint „Frauenarbeit“ sei weniger wert: Stichwort „reproduktive“ und „produktive“ Arbeit und angeblich weibliche Skills – psychosziale Faktoren, die nicht eingerechnet würden. Bullshit. Und eine Bitte einer Personalerin einer Bank mit der ich auf dem Debattencamp ins Gespräch kam: Verhandelt regelmäßig über Eure Gehälter.

Wir sehen uns heute Abend im Maxim Gorki Theater unter anderem mit „Britta“:

Und hier zwei Beiträge aus Dorettes Archiv
Warum Solidarität wichtig ist und auch Frauen sie brauchen: Divide et impera.

Mit der aktuell stärksten Wählergruppe, denn Babyboomerinnen, rollt ein riesiges soziales Defizit auf uns zu. Abgedrängt in prekäre Lebensverhältnisse, glücklich, wer erbt: Fakten zu dieser Wählerinnenschicht.

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Außerdem:
https://www.zeit.de/arbeit/2018-11/geschlechtergerechtigkeit-100-jahre-frauenwahlrecht-familienrecht-diskriminierung-maria-wersig/komplettansicht

Und Diskussion zu „Keiner schiebt uns weg.“ – Aber das Gerede von „gleicherer“ und „ungleicherer“ Arbeit ist doch Quatsch. Warum müssen wir da immer wieder nachweisen, dass unsere Arbeit gleichwertig ist? Das sind unzulässige Finten. https://www.hessenschau.de/kultur/streiterinnen—gespraech-zum-film-keiner-schiebt-uns-weg,video-74544.html

Hier etwas Strategieberatung von Hartmut Rosa

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