Bestimmung

Fragt Dich ein Mensch nach „irgendwo“,
erkenne, dass er, so wie Du,
nach Bestimmung sucht.
Drum antworte ihm nicht: „Überall.“
Denn das klingt auch wie: „Nirgendwo.“
Gib den Moment ihm in unserem All,
wenn Du’s vermagst,
bevor Du zu schnell zur eignen Bestimmung weiterjagst.

11.12.2017 | Gebrauchslyrik | Lebenslauf

Wer, wie ich, zur Welt kommt,
meint im Zweifel, er sei doch verloren,
dabei vergisst er für den Augenblick,
dazu ist er ja nicht geboren.

So ging’s auch mir, doch oft genug
hielt ich es auch für Glück.
Zu Recht wurde es mir einerlei,
dass dieses auch zu schmieden sei.

Ob Glück, ob Trauer, meist ist das nur
von kurzer Dauer, 
so wie auch manche warmen Sommerschauer.
Wer meint dies sei ja Scheitern,
versteht nicht viel von Lebensleitern.

Wer meint das Leben selbst, das sei nicht viel,
versteht nicht viel vom Lebensziel.
In alle Richtungen gesucht habe ich 
nach treuen Begleitern und wußte nicht,
die treuesten erinnern Dich an Dich als treuesten Begleiter.

So hangele ich mich nun im Leben fort
und hoffe, so auch ihr und weiss gewiss
an keinem Ort bin ich lieber, als hier mit
mir und Dir,
wer Du auch immer seist, der liest mein Wort,
betrübt oder heiter, verwirrt, geklärt,
verliebt und so weiter.

Mein liebes ich.

Ich denke.
Ich existiere.
Ich schenke.
Ich spaziere.
Ich sehe mir ins Angesicht.
Ich erkenne mich.
Ich tanze.
Ich weine.
Ich lache.
Ich stammele.
Ich erwache.
Ich freue mich.
Ich wüte.
Ich singe.
Ich spreche.
Ich träume.
Ich täusche mich.
Ich schweige.
Ich treibe.
Ja, ohne ich
liebte ich Dich nicht.
Und ohne ich gäb’s auch unseren Bernstein nicht.

VerDichtetes I – eine Perle von heute. Mit den besten Empfehlungen.

Aufforderung

Lass uns – Wärme spüren.
Lass uns – Sehnsüchte erfüllen.
Lass uns – Schönheit erleben.
Lass uns – Lust haben.
Lass uns – Mensch sein.

Lass uns – Ketten zerreißen.
Lass uns – aufrecht gehen.
Lass uns – Unrecht anklagen.
Lass uns – fremdes Leid nicht fremd sein.
Lass uns – diese Erde erhalten.

Dafür lass uns etwas tun.
Um des Lebens willen.
Dafür lass uns Leben

von René Lindenau erschienen in VerDichtetes I, Poesie und Fotografie, NIBE Verlag, Alsdorf,  November 2017, ISBN: 978-3-947002-37-5

10.04.2016 | Try to get rid of Ego? (Stichwort: Gewalt, Gier und Neid), Wuwei, Taiji, Kunst und andere krause Gedanken

Our body is a very precious instrument.
The body is not the music itself. سیمین
your_body_is_your intrument

Enjoy someone practice with a handicap || – Fächerform, practice with a fan

Die Fähigkeit eines Ich-Bewußtseins ist die Vorrausetzung für ein Du-Bewußtsein
Sehr häufig lese ich, das „ich“ sei eine Illusion. Das ist in dieser Verkürzung eine Entstellung des „Konzeptes der Leere“ in den östlichen Philosophie-Traditionen, wie sie im Buddhismus und im Daoismus zu finden sind. Menschliches „Ich“ existiert sehr wohl – verstanden als Kontinuant in einem Entwicklungsprozess mit zeitlicher Begrenzung. Es bildet das Tor zu einem „Du“-Bewußtsein. Aus dieser Perspektive betrachtet, könnte ein sehr „hungriges“ Ego, die Anlage zu einer sehr mitfühlenden, verbundenen Persönlichkeit zu wachsen, in sich bergen.
„So nennt Rosenberg jede Form von Gewalt einen tragischen Ausdruck eines unerfüllten Bedürfnisses.“ – also in diesem Fall dann – unerfüllte Bedürfnisse des „Ichs“ führen zu einem „needy Ego“. Um zum „Du“ zu gelangen, ist die Voraussetzung nicht, das „needy Ego“ zu verdammen oder zu verleugnen, sondern die wirklichen „Needs“ zu erfüllen.
https://de.wikipedia.org/wiki/Gewaltfreie_Kommunikation

Principle of „Wuwei“ (Daoistic term) shown by a dog
Note: When I saw this video for the first time, I remembered that once someone said. Don’t allow a dog carry a bough as thick and heavy as this, it’s dangerous – it could hurt the dog.

Perlen | perls März 2016, Berlin

Zwei sich ergänzende und ermutigende Positionen zum Leben und zum Tod, zu finden in direkter Nachbarschaft… Beide von Philosophen, beide geprägt vom dialektischen Materialismus.

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Danke für die Erlaubnis das Foto hier zeigen zu dürfen liebe, überaus talentierte Sandra Rummler.
Mehr zu Herbert Marcuse, der hier auf jeden Fall das letzte Wort hatte.

brecht_and_me
Brechts letztes oder vorletztes Gedicht bevor er 1956 verstarb. http://www.kahl-marburg.privat.t-online.de/Kahl_Brecht-Charite.pdf