17.01.2018 | Mich selbst nicht mehr verlassen

Einst hielt ich für wahr,
wir seien ein wunderbares, unübertroffenes Paar.
Heute hast Du Deine Gunst erneut, aber an ein anderes krummes Holz verschenkt.
Mein Herz hingegen ist in seinem Stolz gekränkt.
Ich habe zwar jetzt verstanden, dass – wo ich eine glänzende Brücke erblickte,
ein dunkler Abgrund die Wirklichkeit bildete,
doch ganz erfassen kann ich das nicht.
Ich wende mich um und sehe – ein Leben voller Leere,
geplatzte Seifenblasen und wenig das geblieben wäre.
Wir waren Gefangene in einem inszenierten Spiel
bei dem die größte Sorge war, dass niemand aus der Rolle fiel.
Wir stampften an den Rändern unserer Gefängnisse auf und ab
bis das Ganze nicht einmal mehr diesen Sinn ergab.
Und doch – ich bin froh,
dass Du mich mir zurückgegeben hast,
auch wenn sich die Freiheit noch unvertraut anfühlen mag.
Denn endlich habe ich den Menschen gefunden,
der mich ganz kennenlernen will.
Der mich nicht gefangen hält in einem verzweifelten Spiel.
Ich sehe jetzt – es gibt einen Menschen auf diesem Planeten,
der mir tatsächlich diese Freundschaft schenkt und diesem
treu sein, damit ist nichts verdrängt.

Diesem Menschen will ich treu sein – im Guten, wie im Schlechten
und auf keinen Atemzug mit ihm verzichten,
denn ohne ihn kann und konnte ich in meinem Leben nie etwas verrichten.
Mal setzt sich diese Person auf einen Tron,
mal stolpert sie irritiert, mal stapft sie mutig,
mal heult sie vor Wut, mal zerrt sie mich in Abenteuer.
Von ihr allein wünsch ich mir nun
manchmal gemeinsam auszuruhn.
Mich selbst nicht mehr verlassen,
das möchte ich gerne schaffen.
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11.12.2017 | Gebrauchslyrik | Lebenslauf

Wer, wie ich, zur Welt kommt,
meint im Zweifel, er sei doch verloren,
dabei vergisst er für den Augenblick,
dazu ist er ja nicht geboren.

So ging’s auch mir, doch oft genug
hielt ich es auch für Glück.
Zu Recht wurde es mir einerlei,
dass dieses auch zu schmieden sei.

Ob Glück, ob Trauer, meist ist das nur
von kurzer Dauer, 
so wie auch manche warmen Sommerschauer.
Wer meint dies sei ja Scheitern,
versteht nicht viel von Lebensleitern.

Wer meint das Leben selbst, das sei nicht viel,
versteht nicht viel vom Lebensziel.
In alle Richtungen gesucht habe ich 
nach treuen Begleitern und wußte nicht,
die treuesten erinnern Dich an Dich als treuesten Begleiter.

So hangele ich mich nun im Leben fort
und hoffe, so auch ihr und weiss gewiss
an keinem Ort bin ich lieber, als hier mit
mir und Dir,
wer Du auch immer seist, der liest mein Wort,
betrübt oder heiter, verwirrt, geklärt,
verliebt und so weiter.

Vom Vertrauten zum Vertrauen.

Es liegt ein Trost darin,
Wege tausendmal zu gehen.

Es liegt ein Trost darin,
uns altern zu sehen.

Kein Sirenengesang hat solchen Klang,
wie Dein ruhiger Atem,
wenn Du neben mir ruhst.

Wir waren noch Kinder, da schlug das Leben uns tiefe Wunden.
Wir blieben bedeckt von den eitrigen Schrunden.
Als sie aufbrachen haben wir das samtseidene Band zwischen uns erneut aufgebunden.

Wieder haben wir uns voneinander losgerissen.
Die Schmerzen lassen uns nicht in Ruh
und lassen keine Innigkeit zwischen uns zu.

Es liegt ein Trost darin,
Wege tausendmal zu gehen.

Es liegt ein Trost darin,
mich altern zu sehen.

Es liegt ein Trost darin,
mich selbst zu verstehen.

Es liegt ein Trost darin,
unser Kind manchmal in den Arm zu nehmen.

Die Erde wird sich noch abermillionenmal um die Sonne drehen.

Es bleibt der Trost,
Wege tausendmal zu gehen.

Perlen | perls März 2016, Berlin

Zwei sich ergänzende und ermutigende Positionen zum Leben und zum Tod, zu finden in direkter Nachbarschaft… Beide von Philosophen, beide geprägt vom dialektischen Materialismus.

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Danke für die Erlaubnis das Foto hier zeigen zu dürfen liebe, überaus talentierte Sandra Rummler.
Mehr zu Herbert Marcuse, der hier auf jeden Fall das letzte Wort hatte.

brecht_and_me
Brechts letztes oder vorletztes Gedicht bevor er 1956 verstarb. http://www.kahl-marburg.privat.t-online.de/Kahl_Brecht-Charite.pdf

Vor einem Jahr, am 19. August 2014, verstarb die iranische Lyrikerin Simin Bebahani سیمین بهبهانی‎ im Alter von 87 Jahren

سیمین بهبهانی‎, Simin Bebahani wurde mehrfach für den Literaturnobelpreis vorgeschlagen. Sie starb vor einem Jahr und war nicht ganz unumstritten, aber eine kritische, weibliche und gewichtige Stimme.
„Simin schrieb ihre ersten Gedichte im Alter von 14 Jahren im neuartigen Stil Tschâr Parreh (vierzeilige Strophen) von Nima Youschidsch. Auch ihre Sammlung an Ghazals (traditionellen Gedichten) ist bemerkenswert.“ wikipedia

For the dream to ride
You want to erase my beeing, but in this land I shall remain
I will continue the dance as long as I sustain
My verse as vast as a meadow, it’s universe is rooted in my homeland
In the world of ghazal, I’m a fleet-flooting galopping gazelle
I speak as long as I’m alive, fury, roar and revolt
Your stones and rocks I fear not; I’m flood, my flow you can’t halt
I don’t veil my hair, I’m not Gordafarid nor do I pretend
I’m not the woman you decide can lock up in your fortress end
I’m lightning, my silence will not adorn the sight
I’m prelude to thunder, till then I illuminate the night
Your arrow may give my eyes strain but chaising me it’s flying in vain
My back not bow. My head isn’t Esfandjar, I vow
I said what I said to defy or to cry; come what may
It’s the voice that shall remain I’ll wither away
Aiging and ailing, my steed still on my side
Horeseback no longer moves me, it is the dream to ride

Mehr über Simin Bebahani: http://iran-wissen.de/simin-behbahani-ist-gestorben/

22.07.15 | Für den Friseur :) und tolles Projekt im Crellekiez – Spielraum Strandgut

Ihr habt die Gelegenheit meinen nächsten „Friseurbesuch zu finanzieren“ – am Kotti aufgeschnappt.

Aus dem letzten Jahr (Abzüge, matt, Posterdruck, 60×80, Stempelsignatur) – Honigstrom, Rollbilder, Stempelsigniert,
Kontakt: email post@die-dorettes.de
Das fand ich nach der Ausstellung:
„Die Bilder werden nicht gerahmt. Gerahmte Bilder sieht man nur in stillosen Interieurs. Es ist nicht chinesischer Brauch. Bilder werden zusammengerollt und in Schränken und Schubladen aufbewahrt, um abwechselnd, der Laune des Wetters und des Eigentümers entspechend, an die Wand gehängt zu werden. Die Bilder sind mit Seide unterklebt und werden auf eine Stange, die am unteren Bildrand befestigt ist, aufgerollt.“
GUO-HUA oder die chinesische Malerei, Reiseeindrücke von Adolf Hoffmeister, 1957, Artia Verlag

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Erinnerungsperlen: 1982 – Kontaktabzüge, analog, unshopped

 

Frank Wolf

Als Wolf Biermann „arbeitslos“ vorträgt, kommt es zu Protesten. Man glaubt, er meine – Arbeitslosigkeit sei schön und hört nicht, dass er das Gegenteil sagen will. Jahre später höre ich den Vorwurf, dass er trotz abgehörtem Telefon frei von der Leber sprach, da war er selbst noch Sozialist. Heute nennt er sich Drachentöter, vermutlich im Siegfriedschen Sinne?

Rio – Fluß

Land in Sicht

Land in Sicht, singt der Wind in mein Herz.
Die lange Reise ist vorbei.
Morgenlicht weckt meine Seele auf.
Ich lebe wieder und bin frei.

Und die Tränen von gestern wird die Sonne trocknen,
die Spuren der Verzweiflung wird der Wind verweh’n.
Die durstigen Lippen wird der Regen trösten
und die längst verlor’n Geglaubten
werden von den Toten aufersteh’n.

Ich seh die Wälder meiner Sehnsucht,
den weiten sonnengelben Strand.
Der Himmel leuchtet wie Unendlichkeit,
die bösen Träume sind verbannt.

Und die Tränen von gestern wird die Sonne trocknen,
die Spuren der Verzweiflung wird der Wind verweh’n.
Die durstigen Lippen wird der Regen trösten
und die längst verlor’n Geglaubten
werden von den Toten aufersteh’n.

Heute 01.06.2015