30.09.2016 | 40 Jahre Kult von „Nordsee ist Mordsee“ zu „Tschick“

Ich habe gehört, der Roman „Tschick“ von Wolfgang Herrndorf würde im Deutschunterricht gelesen. Als ich heute aus dem Kino kam beschäftigte mich, ob es Zufall sein kann, dass ich an den Film „Nordsee ist Mordsee“ denken mußte, in dem Uwe Bohm, der den abgebrühten, brutalen Vater des Hauptprotagonisten Maik in „Tschick“ spielt, seine erste grosse Rolle in einem ähnlichen Alter und mit einigen Verwebungen zum Stoff 1976 als Sohn verkörperte – Regie damals Hark Bohm. Für uns Kult. Na klar – im Spiegel war man schon drauf gekommen und offensichtlich hat die Familie Bohm tatsächlich mit Grund mitgewirkt. So klappen verschiedene Ebenen im Film für Besucher meiner Generation um. Das Ergebnis ist toll. Auch, weil im Film selbst bis zuletzt ein Zweifel bleibt, ob nicht alles die Fantasie Maiks ist… Ich hoffe, ich habe nicht zuviel verraten – reingehen – nicht nur die Story, auch die Bilder, die Farben und der Soundtrack sind fein.

Dieses Zitat aus einem Spiegel Artikel finde ich ganz interessant, denn es kennzeichnet ein Wenig den Gedanken, den ich bezogen auf meinen eigenen Lebensweg hatte, als ich aus dem Film kam und den ich in der geschickten Besetzung Uwe Bohms als Vater provoziert fand – „Wolfgang Herrndorf war bereits todkrank, als er das Buch schrieb, und die Nähe des Todes ist in Form einer existenziellen Verdichtung zwischen den Zeilen spürbar. In seinem Roman öffnet er den Raum für eine Welt des Sommers und der Freiheit. „Projekt Regression: Wie ich gern gelebte hätte“, schrieb er dazu in „Arbeit und Struktur“.“
http://www.spiegel.de/kultur/kino/tschick-verfilmung-fatih-akins-perfekter-roadmovie-a-1110512.html
Manchmal stellt man fest, dass man im Handumdrehen in einem Erwachsenenalbtraum aufwacht – weil man seine Helden veraten hat oder weil man sich veraten fühlt.

21.08.15 Perlen des Tages | unterwegs – unshopped, R. D. Laing – die Zweite, YES Men im Kino, Ai Weiwei, Fragile


R. D. Laing, die Zweite:
http://roths-psychoblog.blogspot.de/2012/10/ronald-d-laing.html

„Das Selbst und die anderen
In dieser Fortsetzung von Das geteilte Selbst untersucht Laing die Interaktion von Menschen, die gegebenenfalls zu psychischen Störungen und zu Psychosen führt. Die Grundlage solcher Interaktionen ist das „Verstehen” zwischen Ich und Du; aber dieses ist immer lückenhaft. Jeder Mensch kann nur mutmaßen, was der andere denkt und meint. Schlimm wird die Sache allerdings, wenn A genügend Autorität besitzt, um B zuzuschreiben, was er bewußt oder unbewußt empfindet. Hier tut sich ein Tor zu allen möglichen seelischen Vergewaltigungen auf.
Selbst die Wissenschaft übt solche Vergewaltigungstechniken aus, indem sie Menschen wie Tiere behavioristisch in Testsituationen bringt, wo sie sie „motivanalytisch” beurteilt. Dabei bekommen Personen „Triebe” und „Antriebe” zugewiesen, von denen sie manipuliert werden, als ob sie Maschinen oder Roboter wären. Auch die Psychoanalytiker berufen sich auf einen „psychischen Apparat” , dem man das Personsein ausgetrieben hat.
Wenn es nach Laing ein „Unbewußtes” gibt, dann ist das ganz schlicht jener Seelenanteil, den wir weder uns selbst noch den anderen mitteilen. Das ist demnach kein „Sack mit perversen Trieben”, sondern ein Teil der Person, der nicht kommunizierbar ist. Man kann ihn allerdings in Mitteilsamkeit verwandeln.
Wir verwenden einen schiefen Realitätsbegriff, um viele Menschen als „verrückt” zu etikettieren. Nach Laing weiß niemand so recht, was nun eigentlich die Wirklichkeit ist. Familien, Gruppen und Völker einigen sich auf ein phantastisches Gebilde, das sie „Realität” zu nennen belieben. Wehe dem, der nicht mitspielt; es kann ihn Kopf, Kragen und Vernunft kosten!
Wir sind alle in sozialen Netzen gefangen, und Psychotiker sind jene, die aus übergroßer Verstrickung mit unbeholfenen Mitteln ausbrechen wollen. Die Menschen erdichten eine Welt, .die sie für kompakt und nicht-hinterfragbar halten. Wer die Kraft hat, jenseits dieser angeblichen Normalwelt eine passende Eigenwelt zu schaffen, ist ein Künstler. Wer an diesem Versuch scheitert, ist ein „Gemütskranker”, der interniert werden muß.“

Antwort in der Taz auf dumme Diskussionen um Ai Weiwei.

Neues von den YES Men, seit gestern im Kino: http://www.filmstarts.de/kritiken/234341.html

Honigquellen 22-32 & Severn Cullis-Suzuki

Webfundperle
Severn Cullis-Suzuki at Rio Summit 1992

Die Babyboomer – eine depressive Generation, 1964 – vor 50 Jahren: Dr. Martin Luther King erhält den Friedensnobelpreis, Honigquelle 21: Mahatma Gandhi

Warum ist die Babyboomer Generation, die aktuell zahlenmäßig am stärksten vertretene und damit eigentlich zur Zeit machtvollste Generation, gesellschaftlich so unsichtbar?

Anmerkung Weiterlesen

Perlen des Tages – Die Freiheit wird einem nicht gegeben, man muss sie nehmen, Meret Oppenheim

Was geschieht, wenn wir glauben verachten zu dürfen.
„Dienstleister ist doch irgendwie – bäh.“
Was geschieht, wenn wir einander nicht als Menschen begegnen – interessiert, offen, neugierig, sondern distanziert, brutal und kaltschnäuzig? Wie entsteht Wut und Hass?

Diese Warnung Brechts und Lenyas steht noch immer im Raum, wir alle sollten sie beherzigen.
Der Stallgeruch, der Stallgeruch.

Lernen miteinander zu gehen, dürfen wir nicht aufgeben. Und wenn es noch so schwer ist und wir an uns und den anderen zweifeln.

Hier empfehle ich Euch etwas Musik, die ich nur mit dem Herzen zu verstehen versuche, weil ich kein Lasisch kann:
http://www.youtube.com/watch?v=UXZan6Nmb7I&list=PL2Io7irS9T7IwT99am1nWk34uPRWJhGY7

http://www.bianet.org/english/culture/145364-musicians-stand-behind-niyazi-koyuncu-s-newroz-performance
http://de.wikipedia.org/wiki/Lasen
Ob sein Bruder als Kind mit Fatih Akin gespielt hat oder beide an den gleichen Orten gespielt haben? http://www.spiegel.de/thema/fatih_akin/

Heute noch eines: Ai Wei Wei zeigt Vasen in seiner Ausstellung aus der Han-Zeit, die er mit Original-Metallic-Autolack eines deutschen Herstellers überzog (VW Anm. – 16.07.2014: Ich traue meinem Gedächtnis nicht, andere Aussage – BMW, Peter Sillie) überzog. Mir gefiel dieses Werk ganz besonders gut. Erst mit einiger Verzögerung wußte ich aber, dass ich dort ein grosses Werk einer anderen grossen Künstlerin – Meret Oppenheim – neu und anders interpretiert fand und freue mich, dass Ai Wei Wei, sie klug in seine Ausstellung „Evidence“ im Martin Gropius Bau einbezieht – dieser Link ist kein Zufall!: http://ssl.br.de/radio/bayern2/sendungen/nachtstudio/meret-oppenheim-surrealismus-100.html

ps.: Die WM gucke ich erst wieder, wenn meine Mitmenschen hier verstehen, warum Lukas Podolski, Mesut Özil, Sami Khedira und Jérôme Boateng eine Nationalhymne nicht mitsingen, vielleicht müssen wir eines Tages nicht mehr an erstarrten nationalen Ritualen festkleben und erkennen, im Ursprung waren wir alle eins und aus diesem einen ist Vielfalt enstanden, schön und voll Würde und jedes birgt eine Antwort auf eine noch nicht an sie, es, ihn gerichtete Frage.

Ich drücke aber Brasilien die Daumen, weil ich mit Mehmet Scholls Philosophie: http://www.sportschau.de/fifawm2014/video/videomehmetscholldasistnichtmehrmeinsport102.html mitgehe und ich Brasiliens Spielweise bisher sehr schön fand.

Population Boom: Wer ist zuviel?

Vor einiger Zeit habe ich hier bei den Dorettes ja einen Artikel von Patrick Späth vorgestellt, der die These von der untragbaren Bevölkerungsexplosion hinterfragt und beleuchtet.

Nun kommt der Film „Population Boom“ des österreichischen Dokumentarfilmers Werner Boote in die Kinos, der sich auch mit dem Thema auseinandersetzt. Bekannt wurde er mit dem Film „Plastic Planet„. Hier eine Übersicht über die bundesweiten Vorführungstermine von Population Boom, bei denen Werner Boote teilweise auch selbst anwesend sein wird.
Premiere in Berlin 26.03., Babylon Mitte, 20.30 Uhr
Hier der Trailer:

Nachtrag, 28.03.14:

In dem Film kommt ein Zitat von Mahatma Gandhi vor: „Die Welt hat genug für jedermanns Bedürfnisse, aber nicht für jedermanns Gier.“, das man durchaus als Fazit dieses überaus sehenswerten Films sehen kann…

Hier ist noch ein Interview mit Werner Boote zu hören: https://rdl.de/beitrag/population-boom-interview-mit-regisseur-werner-boote
Werner Boote freut sich auch über Einladungen seines Films in Schulen: http://www.populationboom.at/

Auch Save our Seeds stellt die These der angeblichen Überbevölkerung in Frage und demonstriert mit den Aktionen „2000qm“, wieviel Platz jedem zustünde, wenn die fruchtbare Erde auf die Weltbevölkerung verteilt würde und was sich damit anfangen liesse… http://www.2000m2.eu/

Perlen vom 11.11.12

Buchempfehlung „Radikal“ von Yassin Musharbash
Ein „Krimi“, der überaus vielschichtig, voller überraschender Wendungen und spannend bis zur letzten Zeile ist und auch sprachlich überwiegend ohne Klischees und Schablonen für seine Protagonisten und die Geschichte auskommt, sie vielmehr überwindet. Sehr ans Herz gelegt für die nun länger werdenden Abende, auch Lesern, die Krimis sonst langweilig und vorhersagbar finden…

Filmempfehlung „More than Honey“ von Markus Imhoof
Nicht verpassen: Inhaltlich, filmisch, klanglich – spannend, interessant: Grosses Kino über kleine, faszinierende Tiere und die (kranke) Beziehung der Menschen zur Natur, die die Natur bedroht und damit die Lebensgrundlage der Menschheit bedroht:

 

Auch wenn ich politisch mit Thomas Rietschel nicht einverstanden bin, finde ich (SR) dieses Interview in der Telepolis online über politischen und gesellschaftlichen Dilettantismus sehr spannend und lesenwert. Auch wenn ich mit der Grundthese nicht einverstanden bin, das das Heil allein in einem bürgerlichen Bildungsanspruch zu finden sei, sondern das Problem eher darin sehe, dass es unserer Zeit vor allem am Anspruch in Zusammenhängen und eigenständig zu denken mangelt, sowie zu analysieren und mündig zu urteilen. Dazu gehört allerdings auch Wissen und Interesse in die Tiefe und Breite…
http://www.heise.de/tp/artikel/37/37922/1.html Teil 1
http://www.heise.de/tp/artikel/37/37923/1.html Teil 2