Bildergeschichten – Herberge

Dieses Bild entstand vor etwa einem Vierteljahrhundert – ihr seht eine schwangere Frischvermählte und einen Trauzeugen, zu leicht gekleidet und frierend irgendwo auf einer Insel in der Fremde gestrandet am ersten Frühlingstag des Jahres, der zwar strahlend schön, aber auch frostig kalt ist.
Die Hochzeitsgesellschaft, bestehend aus dem frischgetrauten Paar und ihren zwei Trauzeugen, befindet sich am Hafen einer Ferieninsel auf der im Sommer viel los ist, doch in dieser Jahreszeit kaum ein Mensch auf den Strassen unterwegs. Auf der Insel schliessen die geöffneten Restaurants über mittag oder haben gleich ganz zu. Taxis gibt es nicht. Die Fähre zurück auf’s Festland hat ohne diese Passagiere abgelegt und die nächste wird erst Stunden später erwartet. Die Ankömmlinge sind längst gen zuhause ins Inselinnere verschwunden. Die frischgebackene Ehefrau ist festlich, aber zu dünn für einen längeren Aufenthalt im Freien gekleidet, außerdem etwas übermüdet und hungrig.
Ein einziges Auto nähert sich. Mutig entschliesst sich die Frau zu fragen, ob es in der Nähe eine Möglichkeit gibt, im Warmen auf die Fähre zu warten. Die Beifahrerin erklärt, dass zu dieser Jahreszeit nichts zu finden sei und lädt die Gestrandeten zu sich nach Hause ein.
Alle quetschen sich gemeinsam in das Auto ihres Bruders. Nach zehn minütiger Fahrt erreichen sie das kleine Haus in dem die Frau eine Dachwohnung mit einem einzigen Zimmer hat und in der sie allein mit ihren zwei kleinen Kindern wohnt.
Sie entzündet viele Kerzen und kocht Tee. Weil sie Mitgefühl mit der Schwangeren hat, bietet sie ihr an, sich in ihrem Bett auszuruhen. Dankbar kriecht die ausgekühlte junge Frau unter die warme Decke und schläft nach einer Weile ein.
Die Geschichte ist noch nicht zuende, aber mehr wird ein andermal verraten.
Seither bedeutet Kerzenlicht die wärmste Erinnerung an Freundlichkeit im Leben der damals schwangeren.