17.07.2017 | Perle – Artarium ist Radio on demand immer sonntags.

Seit Elfriede Jelinek, Thomas Bernhard, Ludwig van Beethoven, Karl Kraus, Wolfgang Amadeus Mozart und ungezählten anderen wissen wir sowieso – die klügeren Deutschen leben in Österreich. Um das vergnüglich zu komplettieren – hier ein Hinweis auf Artarium, die wöchentlich sonntags eine Stunde Radio on demand liefern, dass sich die Ohren gewaschen haben, gutes Training gegen Verkalkung… Hört selbst – http://blog.radiofabrik.at/artarium/

Wie mich das gewinnorientierte Gesundheitssystem fast mein Leben kostete und ich dadurch zur Besetzerin wurde

Wenn ich an die zurückliegenden zwei Jahre meines Lebens denke, fällt es mir noch immer schwer, meine Gedanken dazu zu ordnen. Mit voller Wucht habe ich erfahren, was es bedeutet, Vertrauen in ein Gesundheitssystem zu setzen, das gewinnorientiert organisiert ist. Letztlich hat es mich nicht nur beinahe mein Leben, tatsächlich meine Familie und fast mein komplettes bisheriges soziales Umfeld gekostet. Die Folgen trage ich persönlich, ohne dass ich eine Möglichkeit sehe, eine Wiedergutmachung für den Schaden zu erhalten, den ich erlitten habe – ich muß froh sein, dass ich trotzdem noch lebe. In meinen Augen ist das eine direkte Folge einer Politik, die sich mit utilitaristischen Prinzipien als „ethischem“ Handlungsrahmen zufrieden gibt und damit Gewissen abschafft.

Ich schreibe dies zur Warnung und in der Hoffnung, dass viele erkennen, dass ihnen, was mir passiert ist, jederzeit selbst so oder so ähnlich passieren kann, wenn sie nicht mit dafür sorgen, dass in der Politik etwas anders läuft und die Gesundheit von Menschen in „unserem“ Gesundheitsystem nicht von Fehlsteuerungen abhängen darf, die dadurch entstehen, dass irgendetwas operiert wird, nur um Kasse zu machen.
Ich habe überlebt, aber ich zahle einen hohen Preis. Das wovon ich hier berichte, ist der einzige Stachel, den ich habe, um mich zu wehren und selbst, wenn ich nichts ändern werde, habe ich andere gewarnt.

Ich bin im Leben treu, so auch mit Ärzten. Mein Hausarzt hat mir, als ich so um die vierzig war, geholfen herauszufinden, dass die Bauchschmerzen, die mich in meinem Leben immer wieder plagten, auf eine Darmausstülpung zurückführen liess, die sich immer wieder entzündete. Das kann man sich so vorstellen, wie einen weiteren Blinddarm, der sich entzündet hat. Bei mir war das eine Laune der Natur und der Gastroenterologe, der das diagnostiziert hat, gab mir einige Tipps, was ich bei einer akuten Entzündung tun sollte und als Perspektive auf den Weg, dass ich doch vielleicht irgendwann operiert werden müsse. Im Laufe der Jahre hatte ich immer mal wieder Beschwerden, die ich in akuten Phasen auffing indem ich eine Weile nur Suppen zu mir nahm. Meist traten die Entzündungen nach längerem Sitzen auf, zum Beispiel nach langen Autofahrten. Im Sommer 2014 hatte ich einen entzündeten Zeckenbiss, ein Fall bei dem es angezeigt war Antibiotika zu nehmen. Darauf reagierte ich aber mit heftigen Bauchschmerzen und Erbrechen, irgendwie blendete ich den Zusammenhang zu dem Divertikel aus. Mir war auch nicht klar, dass die wiederholten Entzündungen ernste Folgen hatten. In den folgenden Monaten hatte ich öfter Bauchgrummeln, aber ich hielt das für eine Folge nicht ganz regelmäßigen Essens. Etwa vier Monate später hatte ich wieder heftige Bauchschmerzen, aber mehr im Oberbauch. Ich begann mich dauerzuerbrechen und ging zum Hausarzt. Da ich Schmerzen im Leber-Galle-Bereich hatte, verschrieb er mir eine ambulante MRT-Untersuchung vergaß aber sie mit einer Blutuntersuchung vorzubereiten.
Schließlich mußte ich die Notaufnahme eines Feld-Wald-und-Wiesen-Krankenhauses aufsuchen mit dem ich in anderem Zusammenhang gute Erfahrungen gemacht habe.
Ich hatte grosse Schmerzen im gesamten Bauchraum, war ausgetrocknet, gleichzeitig war mein Bauch angeschwollen und ich hatte seit Tagen nichts mehr bei mir behalten können und war von den durchwachten Nächten reichlich übermüdet. In der Notaufnahme wies ich auch auf das Divertikel hin. Eine junge Ärztin machte einen Ultraschall von der Galle und der Leber, wo die Schmerzen lokalisiert war.

Man behielt mich da, um mir die Gallenblase herauszunehmen. Zuvor wurde auch noch ein weiterer Ultarschall gemacht, auch von dem Bereich in dem das Divertikel war. Der Arzt gab die Auskunft, er könne nichts erkennen, da sei zuviel Luft. Die Pflegerinnen guckten wütend. Ich war irritiert, war aber voll Vertrauen, was blieb mir auch übrig.
Nach der erfolgten OP und der Versorgung mit Flüssigkeit über einen Tropf fühlte ich mich besser (ich war ja zugedröhnt), doch ich kotzte weiter. In Panik bat ich die leitende Chirurgin zu kommen und wies sie auf meinen weiter schlechten Zustand und den weiter angeschwollenen Bauchraum hin. Sie ging mich harsch an, ich könne alles essen. Ich sagte mir daraufhin, das Erbrechen sei vermutlich eine Folge der OP. Auf dem Flur traf ich die Ärztin, die operiert hatte, ich bedankte mich, sie murmelte: „Wenn es das denn war. Sie hatten nur etwas Gries in der Gallenblase.“ Ich war noch nicht alarmiert, stutzte aber doch. Man dröhnte mich weiter zu und wollte mich schnell wieder loswerden. Doch ich war so geschwächt, dass ich nicht mehr klar denken konnte und davonlief, statt mich regulär entlassen zu lassen. Ich irrte im im Regen im Winter durch die Strassen unserer Stadt, bevor ich nach hause ging. Dort kam ich völlig erschöpft an, doch meine Familie brachte mich in meinem unterzuckerten Zustand weiter krank zurück in dasselbe Krankenhaus – in die geschlossene Psychiatrie.

Über die schrecklichen nächsten drei Wochen in denen ich sehr wenig Aussenkontakt und spärlich Besuch hatte, will ich hier nicht schreiben. Die hygienischen Umstände waren katastrophal und ich war ja weiter erkrankt, doch meine Bitte dem nachzugehen, dass ich nicht auf die Toilette konnte, folgte die Gabe eines Abführmittels. Das war kontraindiziert, wie ich inzwischen weiss, denn ich hatte einen Darmverschluß. Direkt danach hatte ich allerdings kurz Durchfall, bevor ich überhaupt keinen Stuhlgang hatte. Da auf der Station der Norovirus aufgetreten war, wurde behauptete bei mir bestünde nun Verdacht auf Noro. Ich wurde isoliert und war immer noch eingesperrt. Ich mußte erst die Zwangszeit hinter mich bringen, um gegen ärztlichen Rat zu gehen. Als ich zu einer Untersuchung abgeholt wurde, machte ich mir Hoffnungen, dass jetzt meinen Bauchbeschwerden auf den Grund gegangen würde. Doch die giftige Chirurgin begutachtete lediglich, ob die Narben sich entzündet hatten und sagte, ich sei gesund. Der Pfleger, der mich vor die Tür begleitete, als ich endlich gehen konnte, sagte: „Ich würde auch gehen.“

Doch ich war immer noch nicht gesund. Wieder Schmerzen – ich nahm ja keine Medikamente mehr, die das unterdrückten. Zwei weitere Male ging ich zu meinem Hausarzt, bis er, nachem er meinen Bauch untersucht hatte, blass um die Nase wurde und mich wieder ins gleiche Krankenhaus schicken wollte, die hätten vielleicht einen Fehler gemacht und ich müßte da noch mal hin. Diesmal kam ich in ein anderes Krankenhaus, weil ich mich weigerte. Dort fand man schnell heraus, dass es ein Darmverschluß war. Mir wurde ein faustgrosses Narbengewebe entfernt – wäre ich damals vom Endokrinologen über diese Gefahr aufgeklärt worden, hätte ich besser für mich sorgen können – und ich wachte nach der Not-OP auf der Intensivstation auf – mit einer riesigen Narbe und einem künstlichen Darmausgang. Nach kurzer Zeit wurde ich entlassen.

Meinen Geburtstag feierte ich fiebrig mit ein paar Bekannten und meiner Familie und ging früh ins Bett. Da ich einen Vertrag abgeschlossen hatte und mir Sorgen machte, wie ich meine Rechnungen bezahlen sollte, ging ich schon bald wieder arbeiten, doch ich war überfordert und erschöpft. Dass ich einen Anspruch auf eine Rehabilitationskur hätte, darüber wurde ich erst von meiner Schwiegermutter aufgeklärt. Ich sprach einen niedergelassenene Arzt darauf an, doch befand dieser, dass ich sie erst bekommen solle, wenn der künstliche Darmausgang zurückverlegt worden sei.

Ich versuchte dann alles auf einmal, gesund zu werden, Kraft zu schöpfen und Geld zu verdienen und den Gewichtsverlust von 20 Kilo auszugleichen. Das habe ich nicht gepackt und plötzlich war niemand mehr da, der mich unterstützte. Ich klappte wieder zusammen. In der Aufnahme liess mich ein Arzt, einen Arztbrief einsehen in dem stand, dass bei meiner Entlassung aus dem ersten Krankenhaus gewußt wurde, dass ich einen Darmverschluß zu dem Zeitpunkt hatte. Mich hat man damals nicht darüber aufgeklärt. Da stand „Divertikulitis – nicht perforiert“. Das legt den Schluß – zusammen mit den merkwürdigen Andeutungen dort – nahe, dass ich unnötig operiert worden war, und man um das zu vertuschen mit meinem Leben gespielt hat.

Jetzt ist nichts mehr so, wie es war. Ich lebe noch, aber meine Wohnung mußte ich besetzen, als meine Beziehung unter der Belastung zerbrach. Es wurde mir nichts geschenkt. Von den meisten Bekannten habe ich nie wieder gehört und mir ist klar, dass es nicht möglich ist, das alles ungeschehen zu machen oder das Unrecht wieder gut zu machen. Möglich ist so eine Geschichte nur vor dem Hintergrund, dass das Gesundheitsystem an Gewinnen orientiert ist. So wie mir eine Bekannte, die in einem Krankenhaus arbeitet, sagte, ja, das sei so – sie erlebe immer wieder, dass der Sterbeprozess bei alten, gebrechlichen Leuten durch Gerätemedizin unterbrochen würde, weil wirtschaftliche Interessen – auch von Verwandten dagegen stünden.

Vielen Dank, dass Ihr Euch die Zeit genommen habt, um meine Geschichte zu lesen. Wenn Ihr im Gesundheitssystem arbeitet oder auch ganz normale Leute seid – bitte handelt nach Eurem Gewissen, klärt auf und tretet für eine Gesellschaft ein in der Daseinsvorsorge nicht gewinnorientiert funktioniert – Ihr könntet selbst auch einmal davon betroffen sein.

Dankeschön,
Eure Sabine, ein Mensch unter Milliarden nicht mehr, aber auch nicht weniger.

Wie gefährdet wir im aktuellen Gesundheitssystem sind, das Betrugsanreize schafft, ist auch hier dokumentiert.
http://www.ardmediathek.de/tv/Reportage-Dokumentation/Operieren-und-kassieren-Ein-Klinik-Dat/Das-Erste/Video?bcastId=799280&documentId=43636430

 

10.11.2016 | Die Illusion des Normalen

Die Tyrannei der Normalität lebt von der grossen Illusion der ewigen Weiterexistenz des Normalen und der Flüchtigkeit des Aussergewöhnlichen, dabei wird es wohl eher umgekehrt sein, denn das Normale ereignet sich nicht. Es ist nur der Hintergrund für das Eigentliche. Im Grunde existiert das Normale nicht, denn es hat keine Substanz. Die Frage nach der Ewigkeit stellt sich erst im Angesicht der Unwiederholbarkeit eines Menschen und wer da genauer hinsieht, kann die Aussergewöhnlichkeit eines jeden Menschen gewahren. Dann kommen in hellen Momenten, sogar hinter dem Schleier der wohlanständigen Normalität all der Normopathen, die längst vergessenen lebendigen Farben zum Vorschein und an diese einmaligen Färbungen erinnert man sich, wenn man sich an Menschen erinnert.
Prof. Dr. Manfred Lütz, Psychiater und Philosoph, Irre wir behandeln die Falschen

01.11.2016 | Freude schöner Götterfunken. Perlen.

Mein Herz kann man nicht brechen, dazu habe ich zu viel Verstand.
Besser, danke Cordula B.:
Mein Herz kann nicht gebrochen werden, dazu habe ich genug Verstand.

Heirlooms from my mom. She made the owl-figure by makramee, this was inspired by some gifts of my aunt Barbara – her sister …

https://de.wikipedia.org/wiki/Makramee

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Eins der Lieblingsrezitate meiner Mama selig. Ich habe noch Ihr vergnügtes Quieken vor Augen – besser – im Ohr, wenn sie es mal wieder vortrug:
Der Eber, der ist missgestimmt,
weil seine Kinder Ferkel sind.
Nicht nur seine Frau, die Sau alleine,
nein, die ganze Verwandschaft – alles Schweine.

Wahre Worte, einem hamburger Schullehrbuch der 70er Jahre entnommen…