„Wer gar nichts tut, macht nichts verkehrt“

Lieschen Müller (Autorin unbekannt)

Wer möchte Platons Sokrates in die Aporie folgen?

Vermutlich legen Sie keinen Wert darauf, aber ich gestehe: Ich befinde mich in einem Zwiespalt, der nun schon mein Leben lang anhält. Solange ich nichts tue, kann ich in der Einbildung göttlicher Vollkommenheit verharren und richte immerhin keinen Schaden an. Zumindest hoffe ich das. Beständig tue ich Böses, wo ich Gutes tun sollte. Ich stehle lieber unauffällig. Ob es Aufmerksamkeit oder Gewissheit ist oder Anderes. Ehrlich gesagt, ist es ganz betrüblich, so ein Dieb zu sein. Ich weiss, so ehrlich wollten Sie es gar nicht wissen. Meine erste schlimme Tat war es, ein frohes Kind zu sein, ich war regelrecht dankbar dieses Leben geschenkt bekommen zu haben. Ein bisschen ist das so geblieben. Das soll nicht heissen, dass ich keinen Kummer kenne, aber dabei geht es meist um Lapalien. Ich war also ganz glücklich – bis ich einen Bruder bekam. Der stahl meinen Eltern die ganze Aufmerksamkeit. Es war einfach schrecklich. Noch heute bedauere ich jeden Tag, dass ich einen Bruder bekam. Das Schlimmste ist, dass mein Bruder nun eine Familie hat, die seine ganze Aufmerksamkeit beansprucht. Und was mache ich jetzt? Zum Glück, weiss niemand, dass wir verwandt sind. Das ist auch besser so.

Als ich älter wurde und meine Eltern mir endlich, das Leben boten, zu dem ich geboren war, erschien plötzlich meine Schwester auf der Bildfläche und schon wieder hatte ich mich zu kümmern. Furchtbar. Mehr schlecht als recht, schleppte ich sie auf den Spielplatz. Zum Dank zerkratzte sie meine Lieblingsschallplatten – echt Vinyl, kein Schellack. Glücklicherweise tragen wir heute nicht die gleichen Namen und so kann auch in diesem Fall niemand nachvollziehen, dass wir miteinander verwandt sind. Außerdem benutzt die Verfasserin dieses Textes auch ein Pseudonym, so ist hunderprozent sicher gestellt, dass sie anonym bleibt und ihre Verwandten auch.

Es fehlt noch etwas: Ich bin anderen gedankenlos „behilflich“, wo keine Hilfe gewünscht wird und denjenigen, die Hilfe wünschen, verweigere ich sie – prinzipiell. Das mache ich selbstverständlich, weil ich so unbedingt damit beschäftigt bin, mein Selbst zu finden und mich zu verwirklichen. In diesem Punkt habe ich eine ganz gesunde Psyche, bis natürlich auf meinen übersteigerten Ehrgeiz und Grössenwahn. Indem ich anderen behilflich bin, nehme ich ihnen die Möglichkeit, das Eigene zu tun. Mein Eigenes zu entwickeln – dies wird im Allgemeinen Talent genannt – wäre aber beizeiten überlebensnotwendig gewesen, aber jetzt ist es wirklich zu spät, aus mir ist nichts geworden, es hat da vermutlich in Wirklichkeit auch an Talent gefehlt und da ist nun auch nichts mehr zu machen. Jetzt bin ich einfach zu alt.

Erst derjenige, der das Eigene ausbildet, verwirklicht sein Selbst. Von wem das stammt, weiss ich leider nicht mehr, vermutlich nicht von mir. Aber vielleicht ist es das, was Peter Gabriel mit seinem Song „Why don’t you be yourself“ meint. Ehrlich gesagt (bitte entschuldigen Sie meine Ehrlichkeit) wurde ich mein Leben lang (erfolglos) daran gehindert, dieses Selbst auszubilden. Natürlich nicht zuletzt von Mann und Kind. Und dies ist ein typisches, möglicherweise bürgerliches, schreckliches Frauenschicksal. Einfach ungerecht.

In der Figur des Sokrates schildert Platon nach der Interpretation Herrn Professor Gernot Böhmes Buch „Der Typ Sokrates“, die Sorge für sich Selbst zur vordringlichsten Aufgabe eines Menschen. Mir fällt dazu aber persönlich nichts originelles Eigenes ein. Und originell muß es schon sein, sonst sehen Sie mich Gläser abwaschen und die Seeräuber herbeirufen. Womit ich nun nichts gegen Tellerwäscher und Seeräuber gesagt haben möchte, das sind im Allgemeinen sehr ehrbare Berufe. Was ich hoffentlich zu verhüten weiss – sowohl das eine (Gläserspülen), als auch das andere (Piratentum), es mir aber gewiss gut zu Gesicht stünde, wutentbrannt Gläser zu spülen. Sokrates (oder Platon) hat klug, wie er war verstanden, dass er nichts weiss und führte seine Schüler mit seiner Kunst der Lehre dazu, zu erkennen, dass auch sie nichts wußten, wenn wir denn Platon glauben dürfen – und Sokrates keine einhundertprozentige Fiktion ist. Tat er dies, um seine Schüler in Verzweiflung zu stürzen? Zu zutrauen ist es ihm. Ich hoffe, es ging um Charakterbildung. War dies alles nur Teil eines Spieles? Ich bilde mir ein, ja. Darf ich denn dieses „ernste Spiel“, vielen Dank Herr R., das ich Leben nenne, und das doch mit Gewissheit tödlich endet, überhaupt Spiel nennen? Es gibt sicher Menschen, die dies als „zynisch“ und „makaber“ empfinden. Ich muß zugeben, dass man dies so betrachten kann, hoffe aber auf das Wohlwollen meiner Mitmenschen und schwöre, dass ich das gar nicht so meine, jedenfalls nicht ganz so.

Deut, Deutungshoheit, Deutsch – Etymologie

Aha: Deut („Du bist keinen Deut anders“), Deutungshoheit = Deutsch hängen nicht nur sprachwissenschaftlich, sondern durchaus nach Mentalitätszugehörigkeit und geschichtlich zusammen :). Vielleicht klappt die Wirklichkeitsbewältigung prinzipiell besser ohne die Verschiebung der Deutungsverantwortung an äußere Autoritäten und stattdessen mit mehr eigenständiger Reflexion und weniger Fingerdeuten. Es wäre auch begrüssenswert, sich als Individuum weniger deuten zu lassen und mehr in Diskurse einzusteigen, also den Austausch von Denk-, Sicht- und Gefühlsweisen und nicht zuletzt – von Argumenten zu praktizieren. Also bitte: Alles etwas weniger deutisch.

Zum 01. Mai eine Erinnerung, warum die linken, progressiven Kräfte Nazideutschland nicht verhindern konnten – der Kampf um die reine Lehre und die Deutungshoheit im entscheidenden Moment – ihre Spaltung: http://wildetexte.blogsport.de/2010/01/11/die-linke-und-der-aufstieg-hitlers/

Wer gestern Mo Asumangs höchst sehenswerte Dokumentation „die Arier“ auf arte verpaßt hat, kann sie hier nachsehen: http://www.arte.tv/guide/de/047523-000/die-arier
oder ZDF am Montag, 5. Mai 2014, 23.55 Uhr. Hier ein Interview mit der Regisseurin: http://www.zdf.de/ZDFmediathek/beitrag/video/2144890/Mo-Asumang-ueber-ihren-Film-Die-Arier#/beitrag/video/2144890/Mo-Asumang-ueber-ihren-Film-Die-Arier

Pflanzenschutzmittel – vom Acker frisch auf den Tisch | Perlen vom 02.04.2014

Gestern Abend berichtete die ARD Sendung Plusminus, dass bei 60% der untersuchten Urinproben der Bevölkerung der BRD das bekannte und umstrittene Pflanzenschutzmittel Glyphosat nachgewiesen werden kann. Dabei wurden Grenzwerte seit Jahren willkürlich erhöht. Bauern spritzen das Mittel ganz legal auch nochmal kurz vor der Ernte auf ihr Getreide, um leichter ernten zu können. Gärtner kaufen es in Baumärkten…
http://www.daserste.de/information/wirtschaft-boerse/plusminus/sendung/ndr/2014/glyphosat-112.html
Na, dann guten Appetit!
Ja und dies will ich Euch auch ans Herz legen: http://www.ndr.de/fernsehen/sendungen/zapp/media/zapp7357.html

DPress [diːpress] – Bundesregierung plant abhörsichere Zukunftstechnologie für Websysteme

Wie aus gut unterrichteten Kreisen zu erfahren ist, plant die Bundesregierung Investitionen in Milliardenöhe für eine abhörsicherer Alternative zu den grossen CMSystemen wie WordPress und Co: http://www.webture.eu/webdesign_berlin_schoeneberg_kreuzberg/nach-wordpress-kommt-jetzt-dpress-diːpress/.
Gefördert werden soll damit der öffentliche demokratische Diskurs und Zukunftstechnologien am Standort Deutschland…

Schon mal bedingungslos Einsingen


Mehr von der allerliebsten Bernadette La Hengst mit dem Chorprojekt „Bedingunsgsloses Grundeinsingen“ vom kommenden Donnerstag, 28.03. bis 02.04. in Berlin in den Sophiensaelen – nicht verpassen!

Letzte Warnung an die Deutsche Bank – Joseph Beuys

1985 ist die „Letzte Warnung an die Deutsche Bank – beim nächsten Mal werden Namen und Begriffe genannt“ von Joseph Beuys  in der Edition Staeck als Postkarte erschienen und bis heute dort erhältlich http://www.edition-staeck.de/index.html?d_Pk15050_Pk_Kosmische_Wirtschaftsordnung2186.htm.
Das fällt mir, warum, zu der Meldung ein, dass es heute erneut eine Razzia bei der Deutschen Bank gegeben hat? Die Deutsche Bank selbst rühmt sich allerdings ihrer engen Beziehungen zum Künstler http://db-artmag.de/archiv/2006/d/7/1/490.html

Henryk Broder und Abdel Sammads mutige Reise unter die Oberfläche

In der >> Entweder Broder – Europa Safari geht es um Fragen, bei denen es schmerzt ihnen bis auf den Grund nach zu gehen, billige Antworten werden nicht gegeben und gerade darum sind die Folgen sehr sehenswert, jede Folge. Alle sind sperrig und unbequem und lassen sich in keine Schublade wegsortieren. Sich hinter Illusionen zu verschanzen ist viel bequemer, sperrt aber das Leben aus.

Perlen vom 26.11.2012

Heute muß ich sagen: Leider geil, lieber Herr Broder und Herr Samad!
Ich hoffe, Sie erhalten dafür den Grimmepreis – die bisherigen Folgen sind absolut preiswürdig. Schade, dass die ARD „Entweder Broder – Die Europa-Safari!“ sonntags zur mitternächtlichen Stunde versteckt, aber hier kann man sie online nachsehen und sich als Berliner vom „täglichen Nichtarbeiten“ erholen:
Folge 1: http://mediathek.daserste.de/sendungen_a-z/12449986_entweder-broder-die-europa-safari/12491092_folge-1-auf-nach-europa?buchstabe=E

Folge 2: http://mediathek.daserste.de/sendungen_a-z/12449986_entweder-broder-die-europa-safari/12567064_folge-2-im-herzen-europas?buchstabe=E

Die politischen Lächerlichkeiten der letzten Woche gibt es hier:
Heuteshow vom 23.11.2012

In dieser Woche läuft auf Arte ein internationales, interessantes Medienprojekt an dem sich weltweit 70 Fernsehsender auf allen 5 Kontinenten beteiligen: „Why Poverty“ http://www.tagesspiegel.de/medien/grossprojekt-why-poverty-das-geld-der-welt/7440256.html