Blätterwald, willkommen in der analogen Welt (hier digital erzählt).

Der nächstgelegene – und daher Lieblings- – kiosk hat am Sonnabendvormittag zu. Also geht’s einige Häuser weiter zu dem mit Lottoannahmestelle. Überraschung – dort sitzt der gleiche Inhaber. Wir plauschen. Er prophezeit das Aussterben der Zeitungen, nur alte Leute läsen Zeitung und die stürben aus. Ich bin nicht überzeugt und nehme eine Wochenendausgabe. Wer keine Zeitung liest, verhält sich wie jemand, der sich nur noch auf Google Maps verläßt – die Froschperspektive. Test: Hast Du die Frustrationstoleranz für das Lesen eines Stadtplans zur Orientierung? Kennst Du die Namen der Stadtviertel? Kannst Du Dich orientieren, wenn Dein Navi ausfällt? Ist Dein Bild von der Erde, das einer Scheibe? Kannst Du Dich spontan verabreden unter Bezugnahme auf einen Strassennamen oder an einem Ort Deiner Umgebung ohne auf Google Maps nachzusehen? Sind Buchreligionen bald wieder was für Eliten und ist Esoterik digital?
Ich prophezeihe eine Renaissance der Zeitungen und der Kulturtechnik des analogen Lesens. Dazu paßt: „Verlassen Sie sofort Spotify“ heute in der analogen TAZ am Wochenende, Vorstellung der Künstlerin Holly Herdon, die heute Abend auf der Transmediale (nur noch bis morgen) den Club bespielt.

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