Am Sonntag, den 28.01.2018 | Warum ich mich von Facebook verabschiede.

Das ist ein Schritt, der mir schwer fällt. Denn ich habe bei Facebook wirkliche Freunde gefunden mit denen ich in einer schweren Zeit gelebt und gelacht habe und ich bin dort zum ersten Mal als schreibender Mensch ernst genommen worden (eigentlich zum zweiten Mal). Am liebsten würde ich mein soziales Leben dort mitnehmen. Es fühlt sich an, als hätte ich Brieffreunde in der ganzen Welt und um die Ecke und es wird nun schwieriger werden, Kontakt zu halten. Aber das ist es ja genau, wie die unfairen Internetunternehmen funktionieren. Einerseits stellen sie uns etwas zur Verfügung, wonach wir uns sehnen – Resonanz, andererseits verfügen sie über unsere Daten und über die ihrer Kunden – gleichzeitig haben sie die Macht über die soziale Existenz dort, was auch durchaus für manche existenziell werden kann. So haben sie Kontrolle über das, was wir produzieren und das was ankommt, wir nehmen an einem riesigen psychologischen Experiment teil, das nur einem – nämlich kommerziellen und monopolisierenden Zweck dient und Auswirkungen bis in die Einflußnahme von politischen Entscheidungen nimmt und so inzwischen weit in unsere Lebensrealität eingreift.
Hier hat mich Peter Glaser gerührt, der aus einem sehr kurzen Post herausgelesen hat an welchen Punkt ich gelangt war, als ich schrieb – meine schlimmste Eigenschaft sei, dass ich Witze erkläre, woraufhin er mich zum Schreiben ermutigt hat und mir einen Artikel von sich zusandte, der über Facebook reflektiert.
Wie die Kinder sitzen wir vor unseren Tamagotchi – weiss noch jemand was das ist?
Das etwas nicht mehr im Gleichgewicht ist, habe ich gestern gespürt und meine Schüchternheit überwunden und eine sehr gute Freundin angerufen. Wir haben dann erstmal verabredet in den kommenden Tagen eine Facebookpause einzulegen.
Ich hatte in der vorhergehenden Zeit einen heftigen Winterinfekt und habe exzessiv Facebook genutzt. Das besetzt meine Gedanken aber in einer Weise, die mich aus meinem Zentrum stößt und meine Denkfähigkeit zersprengt. Ich verliere dann die Fähigkeit überhaupt noch etwas so zu ordnen, dass ich darauf gedanklich klar Bezug nehmen kann. Das ist aber etwas, was ich mir weder leisten kann, noch will.
Da es mir wichtig ist, wieder Macht über mich selbst zu gewinnen, in einem Umfeld immer grösserer Unverbundenheit und Beliebigkeit in deren Leerstellen gezielt Unternehmen vorstossen, um uns ein gegenteiliges Gefühl zu geben und gleichzeitig Informationen über uns monopolisieren indem sie in alle unsere Interessengebiete vordringen und uns so an sich binden und wir uns dem ausliefern, habe ich beschlossen jetzt Facebook hinter mir zu lassen und meine Accounts komplett zu löschen.
Damit gebe ich Bequemlichkeit her und gewinne meine Datenhoheit zurück, aber auch Flexibilität. Denn es entscheidet nicht mehr  e i n  Konzern über die Aufbereitung aller Lebensinteressen und so werde ich mich auf ganz unterschiedliche Schätze und ihre Ästhetik, die in den unendlichen Weiten des Internets und im Leben zu finden sind, einlassen.

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Reaktionen:
Eine Freundin plädiert für Hedone. Ein Freund meint, für ihn klänge es nach „aufgeben“.
Ich kann beide beruhigen, weder noch – eher die Frage, was ist „Hedone“ und was „aufgeben“. Ich suche jetzt mal nach einem Café mit internationaler Presse und Aufenthaltswert, vermutlich werde ich sie eh nicht lesen, aber immerhin der Gedanke, es zu können, macht schon mal glücklich.

2 Gedanken zu “Am Sonntag, den 28.01.2018 | Warum ich mich von Facebook verabschiede.

  1. Ich schaue ab jetzt öfter hier vorbei 🙂
    Ein bisschen lustig ist aber der „Teilen auf Facebook“ Button unter deinem Beitrag.
    Eine liebevolle Satire aus dem virtuellen Alltag.
    Liebe Grüsse und bis bald! Wie auch immer!

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