Der Liebesbegriff – ausbeutbar und ausbeutend

Wo Achtung zur Anerkennung unter den Menschen führen könnte, wird die große Traummaschine angeworfen zum Zugriff auf die letzten Winkel des ökonomischen Umgangs mit den Selbstresourcen und den Resourcen der „Gefühlshaushalte“ der Menschen. Wer die Menschen achtet, liebt keinen im Besonderen – auch wenn er bestimmten angehören mag.

Perlen des Tages | Sagen, was sich sagen läßt – Gesine Palmer, Hegel

Oskar Negt über Hegel im Gespräch mit Alexander Kluge

Theodor W. Adorno über Hegel

Gesine Palmer – ob sein muß, was wird?
https://gesine-palmer.de/du-musst-dein-leben-aendern-oder-die-vollstaendige-vermuellung-einer-alten-weisheit

Regression und infiniter Regress

Die Regression | der Regress, der zum Zusammenbruch der ich-Instanz führt, interpretiere ich als Folge eines Denkens, das nicht den Ausgang aus der Unmündigkeit – zur Autonomie – gefunden hat. Ursache ist die Verirrung des Geistes bei der Suche nach einem Ankerpunkt im Bedürfnis der „Heilung“ aufgehäufter Kränkung beziehungsweise dem gedanklichen „Scheitern“ an den Realitäten und der Gegenwart oder einem Reifungsschritt. Im Versuch das Selbstverhältnis zur Wirklichkeit gedanklich neu zu ordnen, ist der oder die Suchende ungeübt und hat bestimmte Fallstricke des Denkens noch nicht durchgearbeitet. Im freien gedanklichen, begleitet vom emotionalen, Fall prozessiert die Person halt- und orientierungslos infinit in die Rückwärtsrichtung, was den Zusammenbruch der Persönlichkeitsstruktur zur Folge hat. Der konflikthafte Umweltbezug wird aus einer Perspektive der Ohnmacht erlebt, wobei der Suchende der „Bedrohung“ reflektorisch nicht gewachsen ist – jedoch nicht aus Mangel an Begabung, sondern aus Mangel an Übung und Technik. Insofern ist die Philosophie tatsächlich therapeutisch. Sie ist eine Schule der denkerischen Technik und der Übung der Entwicklung der eigenen Position vor einem schwankenden Horizont, die auf dem Weg der Aufgabe – neu zu denken ermutigt und bereits durcharbeitete Leistungen der Vordenker bereithält und ihre Techniken zeigt und hiermit den eigenen Reflexionsprozess und damit die Selbstbestimmung unterstützt.
So wird das Nachdenken (Epimetheus) zum Vordenken (Prometheus).

 

Empirismus, Dualismus

Robert Gernhardt: Philosophie-Geschichte

Die Innen- und die Aussenwelt,
die warn mal eine Einheit.
Das sah ein Philosoph, der drang
erregt auf Klar- und Reinheit.

Die Innenwelt,
dadurch erschreckt,
versteckte sich in dem Subjekt.

Als dies die Aussenwelt entdeckte,
verkroch sie sich in dem Objekte.

Der Philosoph sah dies erfreut:
indem er diesen Zwiespalt schuf,
erwarb er sich für alle Zeit
den Daseinszweck und den Beruf.

[Quelle: Wörtersee. Frankfurt: Zweitausendeins, 1981]
http://f20.blog.uni-heidelberg.de/2009/03/20/berufskunde-der-philosophie/

Blätterwald, willkommen in der analogen Welt (hier digital erzählt).

Der nächstgelegene – und daher Lieblings- – kiosk hat am Sonnabendvormittag zu. Also geht’s einige Häuser weiter zu dem mit Lottoannahmestelle. Überraschung – dort sitzt der gleiche Inhaber. Wir plauschen. Er prophezeit das Aussterben der Zeitungen, nur alte Leute läsen Zeitung und die stürben aus. Ich bin nicht überzeugt und nehme eine Wochenendausgabe. Wer keine Zeitung liest, verhält sich wie jemand, der sich nur noch auf Google Maps verläßt – die Froschperspektive. Test: Hast Du die Frustrationstoleranz für das Lesen eines Stadtplans zur Orientierung? Kennst Du die Namen der Stadtviertel? Kannst Du Dich orientieren, wenn Dein Navi ausfällt? Ist Dein Bild von der Erde, das einer Scheibe? Kannst Du Dich spontan verabreden unter Bezugnahme auf einen Strassennamen oder an einem Ort Deiner Umgebung ohne auf Google Maps nachzusehen? Sind Buchreligionen bald wieder was für Eliten und ist Esoterik digital?
Ich prophezeihe eine Renaissance der Zeitungen und der Kulturtechnik des analogen Lesens. Dazu paßt: „Verlassen Sie sofort Spotify“ heute in der analogen TAZ am Wochenende, Vorstellung der Künstlerin Holly Herdon, die heute Abend auf der Transmediale (nur noch bis morgen) den Club bespielt.