Freundliche Bitte zur Übergabe meiner 1.028.571.428 Euro

Sehr geehrte Verantwortliche für das Bauvorhaben BER.
Die Fertigstellung ist nicht mehr nötig. Bitte übergeben Sie allen Berlinern ihren Anteil von 1.028.571.428 Euro (aus der Deckungslücke) für die kommenden drei Jahre, in Worten – Einemiliardeachtundzwanzigmillionenfünfhunderteinundsiebzigtausendvierhundertachtundzwanzig, direkt. Dann können wir damit die Wirtschaft ankurbeln, unsere Häuser kaufen und optimistisch in eine gemeinsame Zukunft sehen. Fliegen würden wir von den Segelflughäfen Brandenburgs aus. Jeder Berliner hat dann die Möglichkeit über die guten Zwecke des Geldes selbst zu bestimmen und es ist besser angelegt, als es in der Baugrube zu versenken oder „Weltfirmen“, die hier Industriearbeitsplätze vernichten, zu füttern.

Bitte vereinbaren Sie zeitnah einen Termin zur Übergabe unserer Vermögen.

Mit bestem Gruß,
die Berliner Bevölkerung

Bestimmung

Fragt Dich ein Mensch nach „irgendwo“,
erkenne, dass er, so wie Du,
nach Bestimmung sucht.
Drum antworte ihm nicht: „Überall.“
Denn das klingt auch wie: „Nirgendwo.“
Gib den Moment ihm in unserem All,
wenn Du’s vermagst,
bevor Du zu schnell zur eignen Bestimmung weiterjagst.

14.12.2017 | Die Aufklärung

Die Aufklärung hat es sehr schwer
schon seit der Antike und noch mehr.
Schon Sokrates hat formuliert, dass zuerst fragt Philosophie
nach der Erkenntnistheorie.
So sprach er aus: „Ich weiß, dass ich nicht weiss.“
Was dann – als Programm –
seiner Lehre zugrunde lag.
Hier knüpfte auch Aristoteles an,
damit Wissenschaft gelingen kann.
Erst René Descartes hat dann der Allgemeinheit aufgefaltet,
was der Mann schon wußte und was nicht veraltet,
dass das Subjekt zur Welt sich immer positivistisch verhält,
und dies zu Recht, hat er uns allen verständlich erhellt.
Wer diese Intension verkennt
hat die Pointe drin verpennt.
Diese Erkenntnis gibt dem Subjekt
den Antrieb erst sich zu erklären,
was es wissen kann und dann
mit anderen Subjekten gleicher Art
zu erweitern, was ihm als Objekt zu gelten hat.
Immanuel Kant machte dann explizit,
was zum Verkehr zwischen Subjekten  – selbstbestimmt – zu sagen verblieb.

Die absolute Wahrheit gibt es nicht?
Wohl wahr, doch zur Erkenntnis braucht
der Mensch sie ja auch nicht.

13.12.2017 | Das Positive

Zur notwendigen Predictio
macht den Menschen Ritual, Zeremonie und Stereotypie
sehr froh.
Genau auch darum fällt seine Wahl,
auf Zeichen und auf Kopf und Zahl.
Es gibt ihm Sicherheit und Raum für Fantasie.
Daraus hofft der Mensch auf Zukunft hin,
woraus gerät die Gegenwart sehr leicht aus seinem Sinn.
Allein auf Zukünftiges hoffen, glaube mir,
führt zu besoffnem Kopf im Jetzt-und-hier.
Drum hoff nicht allein auf Predictio,
mach‘ hier Dich Mensch jetzt auch schon froh.

Und siehst Du in ein Menschengesicht,
erkenn‘ darin sein eigenes Licht.
Doch ebenso versprich mir bitte auch ganz fest,
dass Du Dein eigenes nicht dabei verläßt.

12.12.2017 | Immanuel Kant

Der Philosoph Immanuel Kant
ist wohl bekannt in Stadt und Land.
Nicht minder meinen Land und Stadt,
sie wüßten, was der alte Mann uns heute
noch zu sagen hat –
Vernunftgebrauch sei unsere Pflicht.
Du sagst: „Das ist nicht viel.“
Doch ist’s viel mehr als läppisches Gedankenspiel.
Vernunft, sagt er, ist kein Kalkül
zum Zweck eines einzelnen praktischen Ziels.
Er weist den Weg zu dem Prinzip,
das jeder Handlung erst wahre Form
und menschliche Schönheit gibt.
Nicht an dem Ziel allein bestimmst Du
wohl, was als gute Handlung Dir gelingen soll.
– Ins Zentrum stellst Du Dich und jedes andere Subjekt
als Ziel, Mittel und zugleich Zweck zur Prüfung Deiner Handlungsweise.
So sprach er und das war sehr weise.
Er wies den Weg aus dem Gedankenkreise.
Du kratzt am Kopf Dich und meinst noch:
„Damit ging der Salat erst wirklich los, das weiss man doch.“
Erkenntnis sei doch subjektiv
und diese Einsicht primitiv.
Doch scheint nur schlicht,
was doch sagt, was allen dann doch sehr behagt
– wir sind Subjekt und im Verkehr mit anderen Subjekten mehr.
Von Dir und mir und allen anderen spricht,
wozu das praktische Gesetz uns Pflicht.

Was Kant hier sagt, sagst Du mit Hegel, das sei doch leer.
Ich frage mich: „Ist das so schwer?
Das ist der Sinn, wie kriegst Du denn sonst Zukunft hin?“
Was Kant da sieht und anerkennt, gilt doch für immer
und in Ewigkeit und sagt mit Worten: „Du bist längst bereit.“

Am Anfang geht’s noch zögerlich,
doch jeder Schritt ermutigt Dich.
So hoff‘ ich sehr und bin in Ruh,
Du lächelst mir von morgen zu.

angeregt von Christian Morgensterns Gedicht „Der Fahrradkünstler Sausebrand“

11.12.2017 | Gebrauchslyrik | Lebenslauf

Wer, wie ich, zur Welt kommt,
meint im Zweifel, er sei doch verloren,
dabei vergisst er für den Augenblick,
dazu ist er ja nicht geboren.

So ging’s auch mir, doch oft genug
hielt ich es auch für Glück.
Zu Recht wurde es mir einerlei,
dass dieses auch zu schmieden sei.

Ob Glück, ob Trauer, meist ist das nur
von kurzer Dauer, 
so wie auch manche warmen Sommerschauer.
Wer meint dies sei ja Scheitern,
versteht nicht viel von Lebensleitern.

Wer meint das Leben selbst, das sei nicht viel,
versteht nicht viel vom Lebensziel.
In alle Richtungen gesucht habe ich 
nach treuen Begleitern und wußte nicht,
die treuesten erinnern Dich an Dich als treuesten Begleiter.

So hangele ich mich nun im Leben fort
und hoffe, so auch ihr und weiss gewiss
an keinem Ort bin ich lieber, als hier mit
mir und Dir,
wer Du auch immer seist, der liest mein Wort,
betrübt oder heiter, verwirrt, geklärt,
verliebt und so weiter.

Perlen des Tages – der Mensch, das Subjekt

Zwei schöne Hörbeiträge zu der Sonderstellung des Menschen und der Grundverfassung eines Subjekts also von Person – der Autonomie:

https://www1.wdr.de/radio/wdr5/sendungen/philosophisches-radio/joachim-fischer-100.html

https://www1.wdr.de/radio/wdr5/sendungen/philosophisches-radio/beate-roessler-100.html

Liebe Grüsse.