Mein liebes ich.

Ich denke.
Ich existiere.
Ich schenke.
Ich spaziere.
Ich sehe mir ins Angesicht.
Ich erkenne mich.
Ich tanze.
Ich weine.
Ich lache.
Ich stammele.
Ich erwache.
Ich freue mich.
Ich wüte.
Ich singe.
Ich spreche.
Ich träume.
Ich täusche mich.
Ich schweige.
Ich treibe.
Ja, ohne ich
liebte ich Dich nicht.
Und ohne ich gäb’s auch unseren Bernstein nicht.

Vom Vertrauten zum Vertrauen.

Es liegt ein Trost darin,
Wege tausendmal zu gehen.

Es liegt ein Trost darin,
uns altern zu sehen.

Kein Sirenengesang hat solchen Klang,
wie Dein ruhiger Atem,
wenn Du neben mir ruhst.

Wir waren noch Kinder, da schlug das Leben uns tiefe Wunden.
Wir blieben bedeckt von den eitrigen Schrunden.
Als sie aufbrachen haben wir das samtseidene Band zwischen uns erneut aufgebunden.

Wieder haben wir uns voneinander losgerissen.
Die Schmerzen lassen uns nicht in Ruh
und lassen keine Innigkeit zwischen uns zu.

Es liegt ein Trost darin,
Wege tausendmal zu gehen.

Es liegt ein Trost darin,
mich altern zu sehen.

Es liegt ein Trost darin,
mich selbst zu verstehen.

Es liegt ein Trost darin,
unser Kind manchmal in den Arm zu nehmen.

Die Erde wird sich noch abermillionenmal um die Sonne drehen.

Es bleibt der Trost,
Wege tausendmal zu gehen.

VerDichtetes I – eine Perle von heute. Mit den besten Empfehlungen.

Aufforderung

Lass uns – Wärme spüren.
Lass uns – Sehnsüchte erfüllen.
Lass uns – Schönheit erleben.
Lass uns – Lust haben.
Lass uns – Mensch sein.

Lass uns – Ketten zerreißen.
Lass uns – aufrecht gehen.
Lass uns – Unrecht anklagen.
Lass uns – fremdes Leid nicht fremd sein.
Lass uns – diese Erde erhalten.

Dafür lass uns etwas tun.
Um des Lebens willen.
Dafür lass uns Leben

von René Lindenau erschienen in VerDichtetes I, Poesie und Fotografie, NIBE Verlag, Alsdorf,  November 2017, ISBN: 978-3-947002-37-5