31.03.2016 | Ein Kunstwerk – piece of art. Verhüllung | wrapped

Ein Kunstwerk, das sehr viele Fragen aufwirft (siehe Link),
a lot of questions coming up by watching this piece of art (Link):
1. Ist das Geschlecht der Person erkennbar?
2. Die Figur ist – bis auf die Füsse – vollkommen verhüllt, auch das Gesicht – warum?
3. Welche Gefühle haben Sie als Betrachter beim Anblick des Kunstwerkes?
4. Fühlen Sie sich bei ihrem Anblick aufgrund der Anonymität der Figur unwohl?
Und noch viele andere Fragen

1. Are you able to decide: Male or female?
2. The figure is totally wrapped (except feet), also the face – why?
3. What does it make you feel?
4. Do you feel uncomfortable by anonymity of the figure?
And many questions more…

http://www.kathtube.com/media/thumbs/320/31122.jpg

Und erneut ist sehr interessant, was Wikipedia zum Thema Verhüllung/Schleier quer durch die Geschichte preisgibt. So wurde aus einem Zeichen der Freiheit, ein Zeichen der Unterdrückung in der öffentlichen Wahrnehmung und unseren Sehgewohnheiten. Ein Zeichen, das Unbehagen bis Aggression auslösen kann. Warum? Hat das die gleichen Gründe, wie die Reaktion auf eine Umarmung, wenn sie als Abtasten nach hinter dem Rücken verborgenen Waffen hergeleitet wird? Ist unsere Forderung nach Blösse und Transparenz bis in den letzten Winkel unserer (hier in unserer „Entblößungskultur“) inneren und äußeren Existenz schon so stark verinnerlicht, weil wir alles Verborgene und Geheimnisvolle für potentiell kriegerisch und gefährlich halten? Ist die Diskussion über den (frei gewählten) Schleier also daraus geboren, dass wir Verhülltes nicht nur prinzipiell für unterdrückerisch, sondern auch potentiell gefährlich erachten, weil wir allem Verborgenen mistrauen? Ich frage das, weil es mich entsetzt, wenn ich lese, dass in Europa Schulkinder gezwungen werden, kurze Röcke zu tragen und das in einem Alter in dem sie nach ihrer Selbstbestimmung suchen und sich aus guten Gründen Blicken entziehen möchten. Es wird also als Angriff aufgefasst, dass Mädchen sich des Zwangs der Offenlegung entziehen möchten und diesem teilweise aggressiv eingeforderten Zwang zur Freilegung, soll sich das Recht auf Selbstbestimmung beugen. Dies ist kein Plädoyer für den Schleier und schon garnicht als Zwang. Ich hoffe, da keinen Spielraum zur Misinterpretation gegeben zu haben.

Übrigens – ein schönes Buch, das in eine ähnliche Richtung denkt „Lob des Schattens – Entwurf einer japanischen Ästhetik„.

Vielen Dank für die Aufmerksamkeit.

30.03.2016 | Willkommen im Paradies und andere krause Gedanken

Willkommen im Paradies

In der Schlange stehen im Paradies.
Am Kopfende der Schlange steht ein Vater. Sehr laut und deutlich bestellt er: „Und wir bekommen noch ein Nucki mit Erdbeergeschmack.“ Das bringt doch einige Ladies zum Lächeln.

„Work“ or artificial seperations, Arbeit oder künstliche Trennungen
Question: „Once I talked to a friend while a walk and she explained to me with a small ironical smile: „Yes, well, this is the difference between reproductive (note: in our mind – mostly (extra) work which is done by women) and productive work.“ After thinking about this theorem for more than twenty years, I must say: „This is bullshit.“ There is no difference in the meaning of „work“. The meaning of work is always reproductive, except you produce problems, which you have to solve by work. And this is meant by: „Think (a specific form of work) before you act.“ Or as in german said: „Wer keine Arbeit hat, der macht sich welche.“ What do you think about this?

Frage: Bei einem Spaziergang erläuterte mir einst eine Freundin mit einem ironischen Lächeln Folgendes: „Dies ist der Unterschied zwischen reproduktiver (Anmerkung: In unserem Bewußtsein meist Arbeit, die von Frauen – zusätzlich – verrichtet wird) und produktiver Arbeit.“ Nachdem ich nun über diese Theorie gut zwanzig Jahre nachgedacht habe, stelle ich fest: „Das ist Quatsch.“ Die Bedeutung von „Arbeit“ läßt sich nicht aufspalten, letztlich ist sie immer reproduktiv – es sei denn wir erzeugen Probleme, die wir dann durch Arbeit lösen müssen. Und das ist gemeint mit: „Erst denken (eine spezifische Form der Arbeit), dann Handeln oder wer es nicht im Kopf hat, hat es in den Beinen.“ Beziehungsweise: „Wer keine Arbeit hat, macht sich welche.“

Jetzt ein Blick in die Physik:
Arbeit (Formelzeichen W von englisch work) ist in der Physik die Energie, die auf mechanischem Wege auf einen Körper übertragen wird. Man sagt: „An dem Körper wird Arbeit verrichtet“ oder „Arbeit geleistet“. Das geschieht, indem eine Kraft längs eines Weges auf ihn einwirkt. Die geleistete Arbeit berechnet sich in diesem einfachsten Fall als Produkt aus der in Wegrichtung wirkenden Kraft mit der Wegstrecke. Bei nicht geradlinigen Wegen und nicht konstanten Kräften ist die Arbeit das Kurvenintegral über das Skalarprodukt aus Kraft und Weg.“ (Meine Anmerkung: „Etwas“, „ein Körper“ wird mit Energie angereichert.)

„Die Bedeutung des physikalischen Begriffs Arbeit beruht auf folgendem Sachverhalt: Beschleunigt die betrachtete Kraft den Körper, so erhöht sich seine kinetische Energie auf dem Weg von A nach B um die an ihm verrichtete Arbeit.“

„Ist die Richtung der Kraft der Bewegungsrichtung entgegengesetzt, dann bilden die beiden Vektoren einen Winkel von 180°, dessen Kosinus der Wert −1 ist. In diesem Fall wird an dem Körper eine negative Arbeit verrichtet, d.h. ihm wird Energie entnommen, er wird langsamer.“

„Dissipativen Kräften liegt jedoch kein Potenzialfeld zugrunde. Dies ist z. B. bei der Reibung der Fall. Hier kommt die Arbeit nicht der potenziellen oder kinetischen Energie des Probekörpers zugute, sondern der inneren Energie des Systems. Die Dissipation von Arbeit ist ein irreversibler Prozess. Dabei erhöht sich die Entropie des Systems, ohne dass Wärme von außen zugeführt wurde.“
read more: Dissipation (lat. für „Zerstreuung“)

„Kraftwandler und Goldene Regel der Mechanik.  Will man eine bestimmte Arbeit mit geringerer Kraft leisten, so ist dies mit einem Kraftwandler möglich. Beispiele für Kraftwandler sind Flaschenzüge, Hebel oder Getriebe. Jedoch verlängert sich der Weg über den die Kraft aufgebracht werden muss. Wird beispielsweise durch Verwendung eines Kraftwandlers nur ein Viertel der ohne ihn erforderlichen Kraft benötigt, so ist dies mindestens mit einer Vervierfachung des Weges verbunden. Diese Konsequenz des Energieerhaltungssatzes beschreibt die „Goldene Regel der Mechanik“.“
https://de.wikipedia.org/wiki/Arbeit_%28Physik%29

Falls noch Kapazitäten da sind:
Kultur: Konsens (Missverstanden als „Harmonie“) versus Dialektik?
„Dialektik ist ein uneinheitlich gebrauchter Ausdruck der westlichen Philosophie. In der Antike und im Mittelalter bezeichnete er eine Methode der Gesprächsführung oder Argumentation sowie den Bereich, der heute mit Logik bezeichnet wird.

Seit dem 18. Jahrhundert setzte sich eine neue Verwendung des Worts durch: Die Lehre von den Gegensätzen in den Dingen bzw. den Begriffen sowie die Auffindung und Aufhebung dieser Gegensätze. Rein schematisch kann Dialektik in diesem neueren Sinn vereinfachend als ein Diskurs beschrieben werden, in dem einer These als bestehende Auffassung oder Überlieferung ein Aufzeigen von Problemen und Widersprüchen als Antithese gegenübergestellt wird, woraus sich eine Lösung oder ein neues Verständnis als Synthese ergibt. Dieses aus der Antike bekannte klassische Instrument der Rhetorik wird als Mittel zur methodischen Wahrheitsfindung benutzt, um Gegensätze zwischen Begriff und Gegenstand, Gegensätze zwischen den Diskussionsteilnehmern oder reale Gegensätze in der Natur oder der Gesellschaft zu analysieren und zu beschreiben. Eingesetzt wird dieses rhetorische methodische Stil- und Analysemittel vor allem in der Diskussion, in der philosophischen Schrift oder auch im kabarettistischen Monolog.“ https://de.wikipedia.org/wiki/Dialektik

Offensichtlich ist die Dialektische Methode aber deutlich älter (auch älter als der Buddhismus):

„Die erkenntnistheoretisch-logische Tradition des Buddhismus

Die erkenntnistheoretisch-logische Tradition des Buddhismus entwickelt sich mit dem Ende der klassischen Periode der indischen Philosophie ab dem 5. Jh. u.Z. Sie zählt große Denker zu ihren Vertretern und erarbeitet in den Jahrhunderten bis zum Ende des Buddhismus in Indien eine Reihe von vor allem problemzentrierten und einflußreichen philosophischen und logischen Theorien. Durch die Rezeption des Buddhismus in Tibet findet sie eine tibetische Fortsetzung. Die tibetischen Denker bauen auf den übersetzten Werken auf, die zum Teil nur in dieser Form überliefert sind, entwickeln aber im übernommenen Rahmen ganz spezifische Methoden der Analyse der verschiedenen Themen und eine besondere Dialektik, die Teil der Bildungsstruktur der meisten philosophischen Schulen Tibets ist und einen der Schlüssel zum Verständnis der tibetischen Kulturgeschichte darstellt.“
http://www.ikga.oeaw.ac.at/Erkenntnistheoretisch-logische_Tradition_des_Buddhismus

Wir finden die dialektische Methode oder besser – Dialektik in den Symbolen, des bei uns als Yin-Yan-Zeichen bekannten, Taiji-Zeichen („Das allerhöchste Höchste“ Daoismus) und etwas anders interpretiert auch bei den indigenen Völkern Nordamerikas als Baum der Wanderin vor. Dies versinnbildlicht aber keinen antagonistscher, dualistischen Widerspruch zwischen sich zerstörenden Qualitäten, sondern bebildert den – in der Synthese dann vollständigen – und inkludierenden (einschliessenden) Übergang ineinander.

Deshalb ist „Auseinandersetzung“ ein schönes Wort.

Hier noch zum Abschluß für heute – ein Blick ins Paradies und auf eine echte Xanthippe, absolut unfair:

Nasli HD
Zanyari Drust

Posted by Zanyari Drust on Dienstag, 25. März 2014

29.03.2016 | Aus meinem Poesiealbum – From my Poetry Collection or brotherly love

Krone der Schöpfung, König(in) ohne Krone
Im März vor vierzig Jahren schrieb mir mein Bruder dies ins Poesiealbum, damals war er neun Jahre alt:Krone der Schöpfung
Die Krone
Der König schreit aufgeregt:
„Wo bleibt nur meine Krone!“
Der Mann, der sie bringt, überlegt:
Ist er denn keiner ohne?
H. Baumann

Hans Baumann selbst war ein aktiver NAZI gewesen. Ich weiss nicht, ob das obige Gedicht sich aus seiner Auseinandersetzung mit der Vergangenheit entwickelte. Seine Biografie weist erschreckende Parallelen zu aktuellen Diskursen auf: „Bestimmende Themen seiner frühen Dichtung waren der soldatische Gehorsam, die Frontkameradschaft und der ehrenvolle Tod fürs Vaterland. Die Pflichterfüllung von Bauern und Arbeitern, Revisionismus, die Expansion nach Osten und die Verherrlichung der Mütter als Garanten für die Erhaltung des Volkes waren weitere Leitgedanken aus seinem ideologischen Kanon, der ihn zu einem nationalsozialistischen Dichter machte.

Konträr dazu lag der Schwerpunkt seines Schaffens nach dem Krieg auf der parabelhaften Erzählung historischer Ereignisse und der Konfrontation seiner Hauptfiguren mit Versuchung, Verführung und Zerstörung durch Macht und das Charisma realer Personen, wie in Ich zog mit Hannibal. Damit reflektierte er selbstkritisch auch sein Wirken während des Dritten Reiches, das bis heute umstritten ist.“
https://de.wikipedia.org/wiki/Hans_Baumann

<img src="http://www.die-dorettes.de/dorettes/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" srcset="http://www.die-dorettes donde se compra el viagra.de/dorettes/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png“ alt=“Flattr this!“/>

28.03.2016 | Oster Rätsel – Easter Puzzle

„Schrödingers Katze“ oder kommt „Spin“ von „Spinner(in)“?

Osterrätsel | Easter puzzle: „Komplementär analog“ | „complementary analog“
Hinweis | hint: Physik, physics

oder: Warum ist die Frage: „Was ist eigentlich Licht – Teilchen oder Wellen?“ „Eine philosphische Frage“ (G. H., Physiker)

or: Why is the question „What is light – particels or waves“ „A philosophical question“ (G. H., physician)

27.04.2016 | Humanity, Spuren, Perlen

Sehr sehenswerte arte-Doku, die aktuelle und jüngere geschichtliche Ereignisse (Kriege) in einen geschichtlichen Kontext stellt:
http://www.arte.tv/guide/de/053986-002-A/das-ende-des-erhabenen-staates-2-1
und
http://www.arte.tv/guide/de/053986-002-A/das-ende-des-erhabenen-staates-2-2

Schon gewußt? Der Begriff „Kulturkampf“ stammt aus der Mitte des 19. Jahrhunderts und diente bereits da als ideologisches Konstrukt für (macht)politische Interessen: https://de.wikipedia.org/wiki/Kulturkampf Hierin hatten auch völkische Religionsideen des (deutschen) Protestantismus ihre Wurzeln, die den Boden für „völkische“ Ideen in Deutschland bereiteten. Aus der gleichen Zeit stammt auch der Begriff „Lügenpresse„. Wirklich „populär“ wurde er dann durch die Nazis gemacht

Zum Friedensfest ein Streifzug durch die Stadt. Im Wikipedia-Artikel über das Haus der Buchdrucker (Architekt unter anderem Max Taut) taucht auch der „Drei-Groschen-Streik“ auf, wieder was gelernt – siehe „Drei-Groschen-Oper“, Brecht / Weil

http://www.mediengalerie.org/haus.html und https://de.wikipedia.org/wiki/Verband_der_Deutschen_Buchdrucker
Artikel 1 GG, http://dejure.org/gesetze/GG/1.html
http://www.menschenrechtserklaerung.de/

„Humanity is one“ Tenzin Gyatso. Humanity – see your true colors:

Weil der Text über Erich Knauf oben schlecht zu lesen ist:
„Ein Stolperstein für Erich Knauf – 1895-1944
Erich Knauf, ältestes von vier Kindern des Schneidermeisters Heinz Knauf und dessen Frau Thekla, 1895 in Meerane Sachsen geboren, mußte nach seiner Schriftsetzerlehre und Wanderschaft, 1914 als Soldat in den ersten Weltkrieg. 1915 kam er in ein Strafbatallion, da er seine Vorgesetzten lächerlich gemacht hatte. 1920 Stoßführer bei der Zerschlagung des Kapp-Putsches im Raum Jena und Mitglied der USPD, arbeitete und schrieb danach für die Thüringer Presse. 1922 wurde er verantwortlicher Feuilletonredakteur für die Plauener „Volkszeitung für as Vogtland“. Aus dieser Zeit rührt die Freundschaft mit Erich Ohser (e.o. Plauen) (https://www.google.de/search?q=erich+ohser&source=lnms&tbm=isch&sa=X&ved=0ahUKEwiol4foxuDLAhVD0hoKHYDMCgUQ_AUIBygB&biw=1356&bih=676) her, dem er in der Zeitung Raum gab, seine Zeichnungen und Karikaturen zu veröffentlichen. Etwas später kam Erich Kästner zu dem Freundesbund dazu – seitdem wurden sie die „drei Erichs“ genannt.

Als die Büchergilde Gutenberg 1928 Erich Knauf zum leitenden Lektor ernannte, zog er nach Berlin. Er setzte neue, linkere Akzente. Er band eine neuere Schriftstellergeneration an die Büchergilde und veräffentlichte 1930 seinen Reportage-Roman „Ça ira!, sowie verchiedene Kunstbücher und Künstlerportraits. Inhalt und Gestaltung der Büchergilde-Bände standen auch für ihn im Mittelpunkt. Schrift, Abbildungen, Farbigkeit und Aussage des Textes mußten aufeinander abgestimmt sein. Zwischen 1929 und 1932 wurden Ausgaben der Büchergilde neunmal unter den schönsten Büchern eines Jahres ausgezeichnet.

Nach dem Sturm auf die Gewerkschaftshäuser am 02. Mai 1933 hielt sich Erich Knauf als freier Journalist über Wasser. Eine Rezension der Oper „Carmen“ 1934 im „8-Uhr-Abendblatt“, die das Missfallen von Göring erregte, brachte ihn für mehrere Wochen in die KZs Oranienburg und Lichtenburg. Aus dem Reichsverband der deutschen Presse ausgeschlossen, gelang es ihm trotzdem bei der „Terra-Film“ wieder Fuß zu fassen und ab 1936 als Pressechef eingestellt zu werden. 1938 heiratete er Erna Donath, die bei der Büchergilde seine Sekretärin gewesen war. Er traf seinen Freund Erich Oser wieder und als beide 1943 ausgebombt wurden und ihre Familien ausserhalb von Berlin untergebracht hatten, zogen sie zusammen in das Haus eine befreundeten Arztes in Kaulsdorf. Obwohl sie vor dem im Huas wohnenden Hauptmann Schultz gewarnt worden waren, erzählten sie sich auch im Luftschutzkeller gerne scharfe politische Witze, sehr laut, da Erich Ohser schwerhörig war. Schultz denunzierte sie Anfang 1944 wegen „defätistischer Äußerungen“. Die beiden Freunde wurden verhaftet und vor dem Volksgerichtshof angeklagt. Erich Ohser beging Selbstmord in der Nacht vor dem Prozess. Erich Knauf wurde am 02. Mai 1944 in Brandenburg-Görden hingerichtet.“

Perlen | perls März 2016, Berlin

Zwei sich ergänzende und ermutigende Positionen zum Leben und zum Tod, zu finden in direkter Nachbarschaft… Beide von Philosophen, beide geprägt vom dialektischen Materialismus.

weitermachen
Danke für die Erlaubnis das Foto hier zeigen zu dürfen liebe, überaus talentierte Sandra Rummler.
Mehr zu Herbert Marcuse, der hier auf jeden Fall das letzte Wort hatte.

brecht_and_me
Brechts letztes oder vorletztes Gedicht bevor er 1956 verstarb. http://www.kahl-marburg.privat.t-online.de/Kahl_Brecht-Charite.pdf

19.03.2016 | Zum Equal Pay Day: Divide et Impera* oder die „Mütter sind sowieso immer schuld“

Heute ist wieder „Equal-Pay-Day“ insofern ein schmerzlicher Tag für uns Frauen, weil er uns daran erinnert, dass wir von der Emanzipation, der (Selbst-)Befreiung und gerechter Lebensverhältnisse weltweit, quer durch alle „Kulturen“ soweit entfernt sind, wie die Sonne vom Mond. (Wobei ich sagen muß, dass mich persönlich Männer „anderer“ Kulturen weit wertschätzender und freundlicher behandeln, als die meisten Altersgenossen/-innen meiner Peergroup). Und das wird so bleiben, solange Frauen auf das Prinzip Hoffnung setzen, solange wir uns aufspalten lassen und nicht gemeinsam voran gehen. Neid und Mißgunst untereinander, die Verinnerlichung des Konkurrenzprinzips, macht es den „Herrschenden“ möglich, dies fortzusetzen und fortzusetzen. All der Stolz in der westlichen Welt auf die Errungenschaften der Emanzipation ist eine Form von Selbstbetrug. Prekäre Beschäftigungsverhältnisse und (Alters)-Armut, Verhinderung von Zugang zu Bildungschancen sind weltweit (zwar nicht nur) „Frauen“-Probleme, doch überwiegend. Solange wir uns einreden lassen, dafür trügen wir schliesslich selbst die Verantwortung, solange wir mitmachen bei der systematischen Entmutigung und Entwertung und Entrechtung, solange wir unseren Müttern die Verantwortung für unser Unglück zuschreiben, solange wird sich daran auch nichts ändern. Solidarität, ein Begriff, der weil nicht erfahren, bei „uns“ nur müdes Achselzucken hervorruft.
Wir lassen uns in ein „Hauen-und-Stechen“ hineinziehen, dabei werden verschiedene Lebensmodelle zum Teil mit religiösem Eifer vertreten und einander gegenseitig übergestülpt oder angetragen. Es gibt dafür viele Beispiele, wir erledigen dabei das Geschäft der „Herrschenden“.

Ein Beispiel aus der jüngsten Zeit – die Kritik an dem Film „Suffragette“, soweit ich das verfolgt habe, ist zum größten Teil einfach dümmlich. Ein Hauptvorwurf, die Story anhand einer Arbeiterinbiografie zu erzählen, sei verfehlt, schliesslich sei die Bewegung „bürgerlichen“ Ursprungs. Ja, selbstverständlich ist der Ursprung „bürgerlich“, das hat was mit dem Zugang zu Bildung zu tun. Auch Karl Marx hatte einen bürgerlichen Bildungshorizont, deswegen ist die Arbeiter(innen)bewegung doch nicht bürgerlich oder liesse sich anhand Marx Biografie erzählen. Der Film zeigt aber nicht nur kämpferische Frauen, sondern vor allen Dingen solidarische Frauen quer durch alle Schichten/Klassen und alle Altersstufen.
Was mich persönlich sehr berührt hat in dem Film, waren die Druckmittel und Entwertungsstrategien der „Herrschenden“, die sich in all den vielen Jahren kaum geändert haben. Frauen versuchen durch Bettelei, Unterwürfigkeit und Wohlverhalten zu retten, was zu retten ist – andere Frauen, ihre Kinder. Sie werden dumm gehalten, konkret und subtil bedroht, dämonisiert und pathologisiert oder verniedlicht. (Meist folgt dann daraus der Vorwurf, sie seien manipulativ und intrigant). Solange Frauen keinen Zugang zu ökonomisch angeglichenen Verhältnissen haben, wird sich daran nichts ändern und dafür werden Frauen solidarisch eintreten müssen, sonst ändert sich daran nichts. Hierbei geht es nicht um existenzsicherndes Netzwerken, sondern die Einsicht, das wir Frauen uns miteinander global solidarisieren (und kämpfen ;)) müssen.

Welche von uns glaubt, das sei Schnee von gestern, sitzt der Täuschung auf, die das „Heilsversprechen“ der neoliberalen Wirtschaftsordnung ist – „jede(r) ist seines Glückes Schmied“ und unterwirft sich dem gnadenlosen, isolierten und für Frauen nicht zu gewinnenden Wettkampf, um die besten Plätze an der Sonne, bei dem die Frauen die Verlierinnen sein werden – aus dem einfachen Grund, dass die „Herrschenden“ etwas anderes zu verhindern wissen. Liebe Frauen, laßt Euch nicht ins Bockshorn jagen, schweigt einander nicht tot, zieht Euch mit. All die „schlimmen, bösen“ Mütter und Frauen vor Euch, die starken „verrückten“ und weniger starken Frauen sind für Euch eingetreten von Hedwig Dohm über Simone de Beauvoir, bis Rosa Luxemburg und Emiline Pankhurst. Aber auch die vielen unbekannten, namenlosen. Keine ist besser oder schlechter.

Solange wir einander sagen: „Du hast blaue Flecke – das ist doch nichts, andere werden noch viel mehr geschlagen, geh‘ zurück nach hause.“, solange wir uns gegenseitig entwerten und Entwertungen zulassen, solange wir zulassen, dass Mädchen ausschließlich für ihre Niedlichkeit gelobt werden, solange wir zulassen, dass bei Frauenäußerungen in der Öffentlichkeit auf Nebengleise, wie „Attraktivität“ abgehoben wird, solange Frauen sich für blöd und als „feministische“ Theorie verkaufen lassen, Frauen hätten sich den (erotischen) Projektionen der Männer zu unterwerfen, um diese zu befreien (nichts anderes als Prostitution), solange Männer damit bei Gericht durchkommen, dass sie Gewalt gegenüber Frauen zu deren eigenem Schutz ausüben, solange Frauen sich sagen lassen „Du hast blaue Flecke, er auch“, wenn sie sich gegen Gewalt wehren, solange sie sich sagen lassen: „Sei froh, dass Du überhaupt etwas bekommst, Du bist ja nicht einmal Mutter“, wenn sie nach einem prekären Berufsleben vor die eheliche Tür gesetzt werden, solange wir auf uns selbst projezieren, wir seien schlechte, verdorbene, verschlingende, manipulative Frauen, Menschen und Mütter, solange wir einander nicht die Hand reichen, sondern auseinander dividieren lassen, solange wir glauben unser Recht auf Menschenwürde „gut verpacken und verkaufen“ zu müssen, statt dafür klar, direkt und ohne Umwege und miteinander einzustehen, solange wird sich auf diesem Planeten nichts ändern.

Und das hat mit narzistisch-egozentrierter „Selbstverwirklichung“ nichts zu tun, es geht hier um Lebensnotwendigkeiten, um Gerechtigkeit und Menschenwürde.

* Teile und Herrsche

_______________________
Ergänzungen:
„Analysen der Berufe zeigen typische Mechanismen: immer dann, wenn ehemals den Frauen zugeordnete Berufe zu einer Männerprofession wurden, erhöhte sich der Status dieser Berufe, während der umgekehrte Prozeß, bei dem ein ehemaliger Männerberuf zu einem Frauenberuf wurde, immer zu einer Statusminderung des neuen Frauenberufes führte (Gildemeister, Wetterer, 1993). “ – was mit einem Absinken der Löhne, Gehälter und Honorare einhergeht und gegangen ist. Beispiel – Architekten/-innen http://library.fes.de/fulltext/asfo/00545002.htm

Die Abwertung eines Berufes als „Frauenberuf“ führt direkt über den Statusverslust zu geringerer Bezahlung – Beispiel: „Der Chef des Berliner Unfallkrankenhauses Axel Ekkernkamp befürchtet eine Abwertung des Arztberufs, wenn vor allem Frauen im Arztberuf arbeiten. “ „Zum anderen wird davor gewarnt, dass Männer in andere Tätigkeitsbereiche abwandern, die bessere Karrierechancen und vor allem bessere Gehälter versprechen, und der Beruf des Arztes oder Richters so an gesellschaftlichem Ansehen verliert.“ http://www.boeckler.de/43284_43293.htm

„Gerade im Alter zwischen 30 und 50 Jahren werden viele Frauen zunehmend vom Einkommen ihres Partners oder staatlichen Transferleistungen ökonomisch abhängig und können trotz beruflicher Qualifikation und hoher Motivation ihren Lebensunterhalt nicht erwirtschaften“, schreiben die Autoren der Studie.

Nur zehn Prozent der Frauen dieses Alters und nur sechs Prozent der verheirateten Frauen haben ein eigenes Nettoeinkommen von über 2000 Euro, bei den Männern sind es 42 Prozent. Die Spanne zwischen den Bruttostundenlöhnen von Frauen und Männern wächst in dieser Altersgruppe von neun auf 27 Prozent an – auch deshalb, weil nur noch 39 Prozent der Frauen in Vollzeit erwerbstätig sind.“
http://www.welt.de/politik/deutschland/article153425567/Frauen-fuerchten-existenzielle-Abhaengigkeit-im-Alter.html

Empfehlung: http://www.mathilde-frauenzeitung.de/archiv%281%29/084-02amanfang.html

Fazit: Höhere Einkommen sichern gesellschaftlichen Status, Ansehen, Macht und Einfluß. Es ist ein Vorurteil, dass die Unterschiede und Ungleichheiten hier mit unterschiedlichen Fähigkeiten und Begabungen der Geschlechter begründet werden können. Es geht um eine Absicherung patriachaler Macht innerfamiliär, wie gesellschaftlich. Solange Frauen hier auf das Prinzip Hoffnung setzen, statt auf Solidarisierung (Nachtrag: Und Kampf, danke MD), solange wird sich daran nichts ändern.

Gesundung Februar-März 2016

Januar 2015 bis März 2016: Dem Tod von der Schippe gesprungen. Eine grosse Liebe verloren. Mit Projektionen, Trajektionen, Abwertungen und Selbstherrlichkeit konfrontiert. Ungehört. Gerüchten und Hörensagen ausgesetzt. Abgeschnitten. Schmerz, Schwäche, Krankheit erlebt. Sterblichkeit erlebt.
Von negativen Prophezeihungen und Interpretationen penetriert. Angegriffen. Gekränkt und beleidigt, ohne Kraft oder Möglichkeit zur Zurückweisung. Die Unfähigkeit zu trauern oder in Trauer zu begleiten vorgefunden. Erst im Sturm auf Bornholm und dann an den schroffen Vulkanfelsen La Gomeras im Atlantik wieder trittsicher geworden. Geduld geübt. Mit jedem mit Konzentration und Aufmerksamkeit gegangenen Schritt, die Balance wiedergefunden. Begegnungen zugelassen. Viel über das Bilderfinden gelernt. Zwei Freunde gefunden. Respekt gefunden. Die zerschnittene Mitte geheilt. Selbstbehauptet.