04.08.17 | Nachdenken über deutsche Leitkultur I

Was einem mit meinen Landsleuten passieren kann…

Neulich auf der Strasse in der glühenden Mittagshitze eines Tages Anfang Juli an der Kreuzung am Platz der Luftbrücke beobachtete ich eine Gruppe angestrengter, älterer, behelmter, offensichtlich ortsunkundiger Fahrradlerinnen, die nach Orientierung suchten. Ich machte einen Schritt auf sie zu, hielt aber gebührend Abstand und fragte freundlich, was sie denn suchen würden, vielleicht könne ich helfen.
Zunächst keine Reaktion.
Dann, nachdem ich mein Angbeot wiederholte, antwortete eine Frau mit ziemlicher Herablassung: „Nein,“ Verweis auf einen verbissen im Plan suchenden Herren – „der ist Berliner, der kennt sich aus.“
Ich lachte und sagte – „Ich bin auch Berlinerin.“
Sie – nachdrücklich:
„Das sieht man.“

Ich war verdattert und ging weiter. Ich, etwa gleichen Alters, graues Haar, trug recht unauffällige und gepflegte Kleidung an diesem Tag, war ob des Sonnenscheins bestens gelaunt und ärgerte mich über meine Hilfsbereitschaft, die mir so vergolten wurde. Ob wir Deutschen je ein Maß zivilisierter Höflichkeit und guten Benehmens erreichen? Wieso sollen wir da überhaupt über Leitkultur diskutieren?

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